Rudolf Fürst: Spätburgunder Klingenberger 2024

Rudolf Fürst: Spätburgunder Klingenberger 2024

VDP

Zum Winzer

Spätburgunder 100%
rot, trocken
13,0% Vol.
Trinkreife: 2027–2039
seidig & aromatisch
strukturiert
saftig
Lobenberg: 94–95+/100
Suckling zu 2023: 95/100
Deutschland, Franken
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Spätburgunder Klingenberger 2024

94–95+
/100

Der Ortswein aus Klingenberg wächst zu 100 Prozent in der GG-Lage Schlossberg. Der Schlossberg ist die wärmste Lage von Fürst. Süd-, Südwestexposition, also sehr warmer Nachmittag. Extrem viel Trockenmauern. Terrassen mit teilweise nur zwei Reihen, manchmal sogar nur eine. Alles Handarbeit. Wie an der Terrassenmosel, nur hier keine Einzelpfahlerziehung, sondern Drahtrahmen. Diese heißeste Lage der Spätburgunder von Fürst ist gleichzeitig aber nicht die drückendste, sondern die femininste, die zarteste Pinot-Noir-Anlage, weil die Weine eher etwas milder ausfallen. Fürst arbeitet bei den Spätburgundern mit einer »Vormazeration«, das ist allerdings keine Kaltmazeration. Die unentrappten, völlig intakten Trauben werden in die Bütt gelegt und mit Kühlplatten auf eine niedrigere Temperatur gebracht, dass sie nicht so schnell in die Gärung schießen. Danach wird das möglichst vorsichtig Entrappte darüber geschichtet, aber nicht angequetscht. Dann wird die Kühlung entfernt und Stück für Stück beginnt die Gärung. Es wird die ersten acht bis zehn Tage überhaupt nicht gestampft, d.h. wir haben eine Vergärung in der teilweise ganze, intakte Beeren heile verbleiben bis zur Pressung. Zwischendurch wird dann allerdings auch mit einem Stößel untergestoßen. Wir haben also eine Kombination aus teilweiser Maceration Carbonique innerhalb der Beeren und gleichzeitig einen oxidativeren Ansatz. Ausbau in 15 bis 20 Prozent neuem Holz, der Klingenberger hat den höchsten Neuholzanteil der Ortsweine. In diesem Wein sind nur absolute Top-Parzellen, deshalb ist er auch preislich mit der Ersten Lage gleichgesetzt. Der Jahrgang 2024 war mengenmäßig einer der kleinsten in der Geschichte von Familie Fürst, nur 18 hl/ha im Betriebsschnitt. Drei Weine wurden aufgrund von Frost sogar gar nicht produziert. Die Frostschäden waren durchaus gravierend in Bürgstadt und Klingenberg, in Astheim gab es hingegen kaum Frost, das hat dem Weingut dann immerhin noch gute Mengen liefern können. »2024 ist ein klassischer Jahrgang mit schöner Reife, gar nicht unähnlich zu 2023. Weit weg von den heißen Jahrgängen wie 2022 oder 2019. Aber auch weit weg von den kühlen Jahren wie 2013 oder 2014. Der Jahrgang lebt von seinen sehr niedrigen Erträgen.«, konstatiert Sebastian Fürst. In Klingenberg waren die Frostschäden etwas geringer als in Bürgstadt, auch weil der Schlossberg von Mauern geschützt wird vor den kalten Winden. Die geschützten Parzellen haben weniger abbekommen. Die Nase ist traumhaft, zeigt die ganze Duftigkeit des Schlossbergs. Kommt mit Veilchen, Himbeermark, rotem Pfeffer, Thymian und schwarze Olive. Er diesen feinen mediterranen Einschlag mit heller Blütenduftigkeit selbst in diesem kühleren Jahr behalten. Und nach dieser traumhaft warm-steinigen Nase kommt der Mund mit einem berauschenden Säurekick, der in Tateinheit mit der steinigen Würze und den pfeffrigen Rappen eine fast umamiartige Textur im Mund erzeugt. Dieser Stoff ist ziemlich einzigartig im Ortswein-Bereich Deutschlands. Schmeckt jung fantastisch und wird wohl dennoch sehr gut reifen können – was will man mehr?!

Jahrgangsbericht

Der athletische Jahrgang 2024 begeistert in Deutschland als absolut authentisches Finessewunder. Die Weine bestechen durch kühle, nordisch-straffe Säure, die von reichlich Extrakt ummantelt wird. Das sorgt für einen animierenden, geschmeidigen Trinkfluss voller nuancierter Tiefe bei herrlich moderatem Alkohol.

Mein Winzer

Rudolf Fürst

Franken ist Frankreich nicht nur phonetisch ganz nahe. Wer behauptet, dass exzellenter Pinot Noir, also Spätburgunder nur aus dem in Frankreich gelegenen Burgund stammt, hat mindestens die letzte Dekade verschlafen.

Spätburgunder Klingenberger 2024