Der Bürgstadter Berg zieht sich ins Erftal hinein, was ein kühleres Seitental des Maintals ist. Das kleine Flüsschen zieht sich vor Centgrafenberg und Hundsrück entlang. Hier ist es kühler als am Hang in Klingenberg. Dieser Wein kommt komplett aus Hanglagen. Fürst arbeitet bei den Spätburgundern mit einer „Vormazeration“. Die unentrappten, völlig intakten Trauben werden in die Bütt gelegt und mit Kühlplatten auf eine niedrigere Temperatur gebracht, dass sie nicht so schnell in die Gärung schießen. Danach wird das möglichst vorsichtig Entrappte darüber geschichtet, aber nicht angequetscht. Dann wird die Kühlung entfernt und Stück für Stück beginnt die Gärung. Es wird die ersten acht bis zehn Tage überhaupt nicht gestampft, d.h. wir haben eine Vergärung in der teilweise ganze, intakte Beeren heile verbleiben bis zur Pressung. Zwischendurch wird dann allerdings auch mit einem Stößel untergestoßen. Wir haben also eine Kombination aus teilweiser Maceration Carbonique innerhalb der Beeren und gleichzeitig einen oxidativeren Ansatz. Das gibt eine größere Vielschichtigkeit und eine größere Fruchtstärke. Der Jahrgang 2024 war mengenmäßig einer der kleinsten in der Geschichte von Familie Fürst, nur 18 hl/ha im Betriebsschnitt. Drei Weine wurden aufgrund von Frost sogar gar nicht produziert. Die Frostschäden waren durchaus gravierend in Bürgstadt und Klingenberg, in Astheim gab es hingegen kaum Frost, das hat dem Weingut dann immerhin noch gute Mengen liefern können. »2024 ist ein klassischer Jahrgang mit schöner Reife, gar nicht unähnlich zu 2023. Weit weg von den heißen Jahrgängen wie 2022 oder 2019. Aber auch weit weg von den kühlen Jahren wie 2013 oder 2014. Der Jahrgang lebt von seinen sehr niedrigen Erträgen.«, konstatiert Sebastian Fürst. In 2024 mit rund 75 Prozent Ganztrauben vergoren. Unfiltrierte Abfüllung am 13. April 2026. Man riecht ins Glas und ist direkt hin und weg. Das ist köstlicher, kühler Spätburgunder nahe der Perfektion. Er hat nicht die warme Duftigkeit des Schlossbergs und nicht die Eleganz des Hundsrücks. Nein, der Centgrafenberg 2024 ist einfach schick und verführerisch in seinem Parfüm. Dunkle und helle Waldbeeren vermischen sich, Menthol, Eukalyptuswald, Baumrinde, süße Erdnoten. Ein feingliediger, in sich sehr stimmiger, ruhiger Wein. Es erinnert mich an 2016 mit dieser geschliffenen, seidigen und eleganten Art. Die Säurespur verleiht dem Wein Flügel, so saftig und herzhaft. Was für ein immenser Grip im Mund! Die kühlen, straffen Tannine bauen sich immer weiter auf im Finale, bleiben aber immer geschmeidig mit feinster Körnigkeit.