Ja, was soll man nun lieber mögen – den Saumagen oder den Felsenberg? Die Frage ist inzwischen fast müßig geworden. Beide Lagen spielen längst auf einem Niveau, das für deutschen Spätburgunder Maßstäbe setzt. Und doch bleibt der Felsenberg immer der leisere Bruder. Weniger offensiv, weniger extrovertiert. Dafür vielleicht der feinere Wein. Andy Rings bezeichnet den 2024er als den besten Pinot Noir, den er jemals gemacht hat. Nach der Verkostung fällt es schwer, dagegen zu argumentieren. Der Felsenberg ist eine Monopollage der Brüder Rings. Reiner Kalkstein mit Kalkmergel, Ton und eisenhaltigen Einschlüssen. Dicht bepflanzt mit 9.500 Stöcken pro Hektar, ausschließlich französische Klone. Zwei kleine Terrassen, extrem niedrige Erziehung, winzige Erträge. State of the Art in jeder Hinsicht. 2024 wurde zusätzlich Saftabzug betrieben, um den Weinen noch etwas mehr Konzentration und Tiefe zu verleihen. Die Nase zeigt sich zunächst erstaunlich fein und zurückhaltend. Die frühere Reduktion ist praktisch verschwunden. Stattdessen öffnet sich ein tiefes, unglaublich elegantes Duftbild. Sauerkirsche, rote Johannisbeere und wilde Himbeere schweben über kalkiger Mineralität. Dazu kommen Veilchen, Hagebutte und feine Kräuterwürze. Mit Luft treten dunklere Nuancen hinzu. Schwarzkirsche, etwas Eisen, ein Hauch Waldboden und feine Rauchigkeit. Alles wirkt unglaublich präzise und nobel. Kein Gramm zu viel, nichts Lautes, nichts Vordergründiges. Am Gaumen zeigt sich die große Klasse dieses Weins. Der Felsenberg gleitet förmlich über die Zunge. Zart und fein in seiner Erscheinung, gleichzeitig aber mit erstaunlichem Druck aus der Tiefe. Die Frucht bleibt kühl und klar gezeichnet. Rote Kirsche, etwas Schlehe, Himbeere und feine Gewürznoten werden von einer salzigen Kalkader getragen. Das Tannin ist ultrafein, seidig und vollkommen integriert. Kein Widerstand, keine Härte, nur feinste Textur. Der Wein besitzt diese seltene Kombination aus Schwerelosigkeit und Substanz. Am beeindruckendsten ist vielleicht die Konzentration des Weins. Denn genau damit hätte man in einem Jahrgang wie 2024 kaum gerechnet. Trotz aller Finesse, Frische und Eleganz besitzt der Felsenberg eine enorme innere Dichte. Nichts wirkt leichtgewichtig oder filigran im negativen Sinn. Im Gegenteil. Die Kraft sitzt tief im Kern des Weins und entfaltet sich nur langsam. Genau daraus entsteht diese faszinierende Spannung zwischen Zartheit und Intensität. Wie kann ein Wein gleichzeitig so fein und so konzentriert sein? Der Felsenberg besitzt die Fähigkeit, Kraft nicht auszustellen, sondern zu verbergen. Man spürt sie jederzeit, aber sie wird nie demonstrativ gezeigt. Stattdessen wirkt alles schwerelos, geschliffen und vollkommen ausbalanciert. Burgundische Noblesse aus der Pfalz. Ein großer Pinot Noir und vielleicht tatsächlich der bislang kompletteste Felsenberg, den Rings je erzeugt hat.