Der Annaberg gehört mittlerweile ganz selbstverständlich zur Spitze der Pfälzer Rieslinge. Bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass dieses GG bei Rings noch vergleichsweise jung ist. Die Lage liegt oberhalb von Kallstadt direkt am Waldrand und besitzt eine Sonderstellung im Portfolio. Während der Saumagen über Kraft und der Kreid über seine kompromisslose Kalkigkeit kommt, vereint der Annaberg beides auf faszinierende Weise. Hier ist es immer etwas kühler, immer etwas grüner. Die Wasserversorgung durch die nahegelegene Waldquelle ist außergewöhnlich gut. Selbst in trockenen Jahren behalten die Reben eine bemerkenswerte Gelassenheit. 2025 passt perfekt zu dieser Lage. Bei einem Durchschnittsertrag von weit unter 30 hl/ha entstanden hochkonzentrierte, gleichzeitig aber ungemein präzise Weine. Der Annaberg wurde mit rund 9 Gramm Säure gelesen und besitzt deshalb diese fast irrwitzige Spannung, die sich durch den gesamten Wein zieht. Ausgebaut wurde er wie gewohnt in kleinen gebrauchten Burgunderfässern, in denen zuvor Chardonnay lag. Das Holz ist nie sichtbar, verleiht dem Wein aber genau diese zusätzliche Dimension von Textur und Tiefe. Die Nase wirkt sofort unglaublich komplex. Feuerstein, Gesteinsmehl und feine Brioche stehen zunächst im Vordergrund. Dahinter baut sich langsam die Frucht auf. Reife Aprikose, Weinbergspfirsich und gebackener Apfel treten hervor, begleitet von Pomelozeste, etwas Zitronenöl und einem Hauch von blondem Tabak. Die Frucht wirkt wärmer und offener als in vielen Vorjahren, bleibt aber immer vollkommen kontrolliert. Darüber liegt diese kalkige Kühle, die den Wein ständig in Bewegung hält. Blind würde man tatsächlich kurz an einen großen weißen Burgunder denken. Am Gaumen wird dann sofort klar, dass hier Riesling im Glas ist. Und was für einer. Der Annaberg besitzt diese faszinierende Kombination aus Fülle und Finesse. Reifes Steinobst, saftige Zitrusfrucht und feiner Extrakt rollen über die Zunge, gleichzeitig zieht eine gewaltige Kalkader durch den gesamten Wein. Es fühlt sich an, als würde man Kalkstein in reifem Zitronensaft auflösen. Verbene, Salz, etwas Zitronenthymian und feine Hefewürze blitzen immer wieder auf. Die Säure ist enorm präsent, aber so perfekt eingebunden, dass sie niemals dominiert. Stattdessen verleiht sie dem Wein eine fast schwerelose Spannung. Was den Annaberg 2025 so besonders macht, ist seine Balance. Er besitzt die Konzentration eines großen Jahrgangs, die Kalkigkeit eines Kreid und gleichzeitig eine fast burgundische Geschmeidigkeit in der Textur. Alles wirkt engmaschig, dicht und vibrierend. Nichts steht heraus, nichts wirkt konstruiert. Der Wein hat Kraft, aber vor allem hat er Zug. Er ist ein leichtfüßiger Gigant, der minutenlang nachhallt und dabei immer neue Facetten freigibt. Ein großer Annaberg und ohne Zweifel ein Grand Cru im besten Sinne.,