Neben Knipsers »Cuvée X« ist Das Kreuz sicherlich der legendäre Bordeaux-Blend aus Deutschland. Die Reben wurden bereits 1999 gepflanzt und stehen auf kiesigen Sandböden in der gleichnamigen, wärmsten Lage in Freinsheim. 2023 ist die Cuvée stärker von Cabernet Franc geprägt als in den Vorjahren: 60 Prozent Cabernet Franc, dazu je 20 Prozent Merlot und Cabernet Sauvignon. Das gibt dem Wein noch einmal mehr Frische, noch mehr Duft und eine zusätzliche Spur Eleganz. Und 2023 war bei Rings ohnehin ein Ausnahmejahr für die internationalen Rebsorten. Extrem hohe Reife, aber eben keine Überreife, sondern großartige Aromatik, kühle Kontur und brillante Balance. Der Ausbau erfolgt in neuen und gebrauchten Barriques über rund 27 Monate, nach dem Blend bekommt der Wein noch einmal einige Monate Ruhe im Stahl vor der Füllung. Die Nase ist tief, konzentriert und dabei erstaunlich frisch. Schwarzkirsche, Maulbeere, reife Cassis und Brombeere, aber durch den hohen Cabernet-Franc-Anteil kommt 2023 noch mehr rote Frucht und florale Spannung dazu: Sauerkirsche, rote Johannisbeere, Veilchen und ein Hauch Holunderbeere. Darunter liegen Graphit, Feuerstein, Sandelholz, etwas Tabak und eine feine dunkle Kräuterwürze. Minze, Lorbeer, ein Touch Garrigue und süße rote Chili, aber keine grüne Paprika, nichts Unreifes. Alles ist voll ausgereift, poliert und trotzdem kühl vibrierend. Das ist Bordeaux-DNA, aber glasklar durch den Rings-Filter gezogen. Am Gaumen enorm viel Schub, aber 2023 mit noch feinerem Geradeauslauf als sonst. Schwarzkirsche, Cassis, Brombeere und Maulbeere drücken in die Mitte, dann kommen rote Beeren, Kräuter, Graphit und Bitterschokolade dazu. Die Frucht ist dicht und einnehmend, wird aber von einer lebendigen, reifen Säure wunderbar durchbrochen. Das Tannin kleidet den ganzen Mundraum aus, ist dabei aber extrem feinpoliert. Kein harter Block, sondern ein engmaschiges, seidig-dunkles Gerüst mit salzigem Grip im Finale. Das Kreuz 2023 zeigt die perfekte Reife dieses Jahrgangs, aber eben auch diese fantastische Cabernet-Franc-Frische. Mehr Eleganz, mehr floraler Zug, mehr kühle Würze, ohne an Druck zu verlieren. Ein Touch Pauillac, ein Hauch Saint-Émilion und am Ende doch ganz klar Freinsheim. Einer der großen deutschen Bordeaux-Blends, keine Frage. Begeistert mich total.