Der 2024er Kirschgarten ist wieder ein klarer Ausdruck dessen, was Philipp Kuhn unter großem Riesling versteht: intellektuell und bodengeprägt, aber mit der mühelosen Pfälzer Charmeoffensive auf der Fruchtseite. Der Wein stammt aus einer der eindrucksvollsten Rieslinglagen des Hauses, auf fast reinem weißen Kalkstein, lediglich mit einer dünnen Mergelschicht bedeckt. Das Gestein liegt kaum 30 Zentimeter unter der Oberfläche – das prägt diesen Wein wie gemeißelt: Kalkvibration, Tiefe, Ruhe und Struktur. Der Kirschgarten liegt etwas niedriger als Schwarzer Herrgott oder Saumagen, bringt deshalb bei gleicher Bodenbasis immer einen Hauch mehr Wärme und Druck in den Wein. Und so steht der Kirschgarten 2024 auch da: ruhig, selbstsicher, mit dieser fast burgundischen Anmutung – komplett ohne Holz, aber mit einem Körper, der fast so wirkt. Der Jahrgang 2024 bringt erstaunlicherweise etwas mehr Stoffigkeit und Volumen als der zurückhaltendere 2023er. Die Frucht bleibt klar und definiert – keine kitschige Aromatik, sondern viel Stein, Salz und Würze. Die Nase zeigt weiße Johannisbeere, Mirabelle, Limettenschale, auch ein Hauch Grapefruit-Zeste, dann kühle Anklänge von weißen Blüten, Fenchelkraut und nasser Kreide. Sehr fein, sehr still – kein Lärm, kein Make-up, sondern ein subtil kraftvoller Riesling. Am Gaumen zeigt sich der 2024er noch deutlicher in der Kalksteinprägung: griffig, mit diesem feinen, fast kreidigen Biss, der dem Wein Textur ohne Gewicht verleiht. Die Säure ist präsent, aber nie spitz – sie trägt die gelbe Birne, die frische Quitte, ein Hauch junger Apfel, alles untermalt von einer subtilen Zitrus-Ätherik. Dann kommt eine salzige, fast jodige Ader, die an große Chablis denken lässt. Trotz seiner Konzentration bleibt der Wein leichtfüßig, tänzerisch – und vor allem: absolut ruhig. Kein Push, kein Zwang, kein Statement – einfach souveräne Größe. Ein Riesling mit Tiefe, aber nicht intellektuell verkopft, sondern offen und klar. Geniale Länge – finale einfach ein ultraschicker Wein, der trotzdem diese Delikatesse der Pfalz hat. Stark!