Das Jahr 2024 war eines der kühlsten dieses Jahrtausends, wir sind aromatisch in Richtung 2013 oder 2016 unterwegs, aber mit der Präzision und der extremen händischen Selektion, wie sie heute vorgenommen wird, ist das eine ganz andere Nummer. Wir driften weder in Unsauberkeit, noch in Botrytislastigkeit, sondern es bleibt enorm fokussiert und eben animierend straff und athletisch. Ich mag das sehr, wie eine moderne Version von 2008 oder 2016 mit etwas mehr Frische und Pikanz. Aromatisch hat der Weine eine hohe Dichte und Konzentration, schlank zwar, aber absolut nicht karg. Nein, 2024 hat bei all seiner Leichtigkeit schon Substanz und Schmelz. Es waren eben sehr kleine Erträge, Lauer hat ungefähr 60 Prozent verloren durch Frost und sehr frühe Fäulnis, die dann abgefallen ist, da gab es dann einfach keine Trauben. Das Ergebnis ist ein kühler, hochfeiner und zugleich sehr konzentrierter, extraktreicher Jahrgang. Sehr niedriger Ertrag aus den alten Knorzen. Spontan vergoren und ausgebaut im Moselfuder. Wir haben im Schonfels immer wenig Fruchtausdruck, es ist ein kühler Gesteinshammer, feiner gezeichnet als die Kupp, die immer etwas expressiver ist. Schonfels ist ruhiger, würziger, verschlossener. Meist hat er aber auf lange Sicht die Nase vorn, wohingegen die Kupp etwas jünger schon ansprechender ist. Schonfels braucht viel Zeit, und 2024 besonders. Schonfels hat immer diese Kontradiktion aus den sehr kühlen, windigen Parzellen am Hangkopf und dem sehr warmen Teil am Hangauslauf. Schonfels ist reich und doch so kühl und mineral. Die Klarheit ist faszinierend, völlig in sich ruhend, keinerlei Selbstdarstellung oder Lautstärke. Warmer Sommerregen auf Asphalt, dunkle Mineralität, aber heller Fruchtausdruck, Feuerstein, Apfelschale, Quitte, etwas Exotik von Melone und Pomelo dazu. Das Ganze ist sehr kompakt, in sich verwoben und mit einer strahlend-frischen Salzigkeit ausgestattet, die den Wein in eine große Länge zieht. Filigran, aber bestimmt. Schonfels 2024 hat, genau wie 2023, eine große Zukunft vor sich.