Das ist mein erster Wein der Beaucastel-Gruppe in 2022. Nachdem wir gestern die große Freude hatten, als ersten Wein Clos des Papes zu probieren, ist meine Erwartungshaltung entsprechend hoch, zumal Beaucastel und die ganzen Terroirs drum herum von extremer Trockenheit eher profitieren als dass sie darunter leiden. Der erste Angang des Coudoulet in Nase und Mund zeigt eine verblüffende, fast extreme Frische, ohne, dass die Säure spitz ist, sie ist nur hochintensiv. Der Wein ist pikant wie es zuletzt im Jahrgang 2019 der Fall war. Er hat unglaublich viel Johannisbeere und Schlehe, dazu auch eine Frische aus Zitrus und pinker Grapefruit, dass sich der Mund zusammenzieht. In Verbindung mit seiner hohen Reife und generösen Fülle macht in das zu einem superspannenden Essensbegleiter. Es ist reif, aber auch hocharomatisch, duftig und recht wuchtig. Satte schwarze Kirsche, so reif, so schön! Dazu Veilchen und helle Lakritze, Nougat und ein Hauch gelbe Frucht darunter – Sanddorn und Orangenabrieb. Das Ganze aber voluminös mit einem riesigen Schwall an samtig-voluminöser, erotischer und fast wollüstiger Frucht rüberkommend. Was ein sattes Teil, unglaublich! Im Mund eine grandiose Fülle. In diesem 2022er ist nichts von dieser wahnsinnigen Trockenheit zu spüren. Der Wein ist saftig und wie schon in der Nase erotisch, aber auch mit einer unerwarteten Üppigkeit kommend. Hochreif, aber nicht pflaumig, nicht marmeladig, sondern mit einem seidig-samtigen und reichhaltigen Trinkfluss. Lakritze, Veilchen, Schwarzkirsche und rote Kirsche, dazu Holunder und sogar etwas süße Feige im Nachgang. Ein unglaublich fetter und reichhaltiger Coudoulet, der viele Châteauneuf-du-Papes in diesem Jahr in den Schatten stellen wird. Er findet seine Rettung in dieser verblüffenden Frische, sonst wäre er einfach zu fett. So hat er aber einen verspielten, seidigen und hocharomatischen Angang in der Nase und im Mund. Zum Reinspringen schön! Einfach viel Wein in dieser Preisklasse. Das Finale lässt den Verkoster mit Erstaunen zurück, weil im Nachgang wieder diese unglaublich crispe, frische und pikante Schlehe mit Johannisbeere, Sauerkirsche, roter Kirsche und Cranberry hochrollt. Mit langer Mineralität und Salz, aber vor allem mit dieser süßsauren, pikanten Note. Gleichzeitig haben wir eine seidige, samtige Tanninstruktur. Das ist in diesem Preisbereich ein unglaublicher Wein. 95+/100 *** Der Coudoulet ist ein Blend aus Grenache, Mourvèdre, Syrah und Cinsault. Coudoulet ist ein einziger Plot. Er liegt jenseits einer kleinen Straße an den Ausläufern der Lage La Crau. Willkürlich wurde hier die Grenze von Châteauneuf-du-Pape gezogen. Inhaltlich ist das genau das gleiche, aber der Wein darf sich nur Côtes du Rhône nennen. Das hat eine Kommission vor langer Zeit festgelegt. Vom Rebalter bis zur Verarbeitung gibt es aber keinen Unterschied zum Châteauneuf von Beaucastel. Coudoulet ist wegen etwas mehr Sand im Boden vielleicht sogar etwas feiner, etwas schicker. Der direkte Nachbar ist der Côtes du Rhône Les Garrigues von Janasse, dem ein ähnliches Schicksal beschert ist. Auch die Familie Tardieu hat ihren Top Côtes du Rhône, den Cuvée Spéciale, von hier. Wie bei allen Weinen von Beaucastel, wird natürlich auch dieser Weinberg biodynamisch bearbeitet. Vollständig entrappt, spontan im Holzfuder vergoren. Der Ausbau dann in großen Holzfässern. Dieser Coudoulet ist immer baugleich mit dem Châteauneuf, eben nur etwas feiner und er kostet nur ein Drittel.