Beaucastel hat mehrere Besonderheiten. Zuallererst ist es ein waschechter Biodynamiker. Aber das gibt es natürlich bei Vieille Julienne auch. Generell ist das im Châteauneuf allerdings noch eine richtige Ausnahme. Bio sind aber mittlerweile viele. Die nächste Besonderheit ist die Lage der Domaine. Sie liegt extrem im Wind, Mistral ohne Ende. Es gibt hier fast nie Probleme mit Fäulnis, deswegen ist die Biodynamie auch so einfach durchzuführen. Dazu kommt die große Schwerpunktsetzung auf die Rebsorte Mourvèdre. Wenn wo anders teilweise reiner Grenache läuft, ist Beaucastel schon noch auf einer Vielfalt aufgebaut. Zum Mourvèdre kommen Grenache, Syrah, Counoise, Cinsault, Terre Noir, Muscardin und Vaccarese. Alle Rebsorten werden hier separat vinifiziert, die Trauben werden zu 100 Prozent entrappt. Spontane Gärung in großen Fudern und Betontanks, je nach Rebsorte. Danach wird ganz sanft gepresst, der verbliebene Trester bleibt sogar feucht, wenn er in den Weinberg gefahren wird. Ausbau in großen, alten Fuderfässern für zwei Jahre. Beaucastel ist ein einziger, zusammenhängender Weinberg, mit insgesamt 80 Hektar. Das Terroir ist überwiegend weißer Lehm und Kalkstein. Ein ähnliches Terroir wie in den besten Lagen des Barolo-Gebiets. Cannubi zum Beispiel. Ein einziger zusammenhängender Weinberg, mit homogenem Untergrund, ist also eine weitere Besonderheit von Beaucastel. Mourvèdre-Mistral-Terroir mit der Eleganz eines der besten Terroirs der Rhône. 2023 wurde auf Beaucastel das erste Mal nachts gelesen, um die Frische noch besser zu erhalten. In Kalifornien und Australien ist das schon Standard in den Top-Weingütern. Das bringt noch mehr Präzision in die Moste und verlangsamt die spontanen Vergärungen für mehr Komplexität. Das Jahr 2023 ist seidiger und saftiger, blumig-verspielter als 2022, das blockiger und intensiver in den Tanninen. Was 2023 wirklich besonders macht, ist diese unglaubliche Tanninqualität. Es ist sooo cremig-fein, dass es die reinste Wonne ist. Der 2023er Beaucastel ist zugleich zart und höchstintensiv. Die Eisenfaust im Samthandschuh, Holunderbeere, provencalisches Nougat, Kakao und Veilchen, die sehr typisch sind für dieses blumige 2023. Feine Kirschlikörnote im Nachgang, die Veilchen kommen immer wieder hoch. Rosenblätter – eine geniale Blumigkeit! Die dunkle Frucht der extrem gut geratenen Mourvèdre schlägt im Mund noch mehr zu als in der grenache-basierten Nase, hier wird es unerwartet kraftvoll, schiebend, aber ohne je diese mit hedonistisch saftige Textur von 2023 zu verlassen. Es bleibt die reinste Trinkfreude. Dieser seidige Fluss von 2023 passt ungemein gut zu Beaucastel, genau wie zu Clos des Papes, den wohl burgundischsten Châteauneufs überhaupt. Aber aromatisch sind wir schon weit im Süden, sind wir vollreif und wahnsinnig intensiv. Sehr mediterrane, warm-würzige Aromenwelt, aber das Ganze eben in Samt und Seide verpackt. Was für eine Ode an die Freunde!