Der Wein hat 12,5 % Alkohol und wer weiß, was für geniale trockene GGs sowohl Fritz Haag als auch Schloss Lieser aus dieser Lage erzeugen, der geht mit der entsprechenden Erwartung an diese Auslese von Molitor. Pures Schieferverwitterungsgestein in dieser Lage. Wahnsinnig konzentrierte Nase. Es ist eindeutig die Brauneberger Juffer Sonnenuhr mit ihrer dunklen Würze und Wärme. In dieser hohen Schiefrigkeit, in dieser hohen Intensität, wie wir sie auch von den Gebrüdern Haag kennen. Diese Auslese, die von der Nase auch eindeutig den dritten Stern verdient hätte, ist einfach so hyperkonzentriert und intensiv. Sie strahlt eine wahnsinnige Spannung und Intensität aus. Warme Orangenfrucht kämpft mit Quittenbirne und mürbem Apfel um die Hoheit. Gelbe Kiwi und Mandarine unterlegen das Ganze. Tolle Exotik, man möchte reinbeißen in diese köstliche tropische Frucht. Seit Molitor mit dem 2022er Jahrgang einige seiner Auslesen*** preislich und qualitativ und vom Ausbau komplett anders aufgestellt hat, wird für einige Genießer der Preisbereich der Auslese** der spannendere werden, hier sind wir preislich auf Augenhöhe mit den allerbesten GGs, aber sogar noch günstiger als viele der Tops, dennoch qualitativ auf einem Level. Fast ein bisschen Holz-Touch und Löffelbiskuit mit frischer Erde und Bienenwachs, was beides typisch ist für Brauneberg. Sehr dicht, reichlich und wuchtig. Ein multikomplexer Mund. Schiefer, intensive Frucht, aber auch Druck und Power. Schiefer, Graphit und Salz dominieren. Ganz am Ende verstehe ich, warum Markus Molitor diesem Wein keinen dritten Stern gegeben hat, weil es ganz am Ende das letzte Quäntchen Finesse nicht gibt. Dafür ist er ein bisschen zu monolithisch. Das ist aus der Juffer Sonnenuhr schon ein ziemlicher Kracher. Die letzte Verspieltheit, die ich bei Lieser und Fritz Haag hatte, kann dieser Molitor nicht aufweisen, dafür hat er eindeutig mehr innere Spannung und mehr Druck. Es ist ein Riese und ein ganz großer Wein. 97-99/100