Der mystische Doctor, die wohl berüchtigtste Lage der Mosel, auch wenn sie nicht immer die beste ist, aber bei Molitor ist sie das oft. Der Wein verströmt zuallererst mal unglaubliche Feinheit. Eine bezaubernde Klarheit in der Nase, alles ist an seinem Platz, puristischer als 2018 oder 2019, sehr geschliffen, kühl, fein. Weißer Pfirsich und Reneclaude, Litschi und Grapefruit, kaum Zitrusfrucht und wenn dann warme Zitrusfrucht. Nichts sticht, die totale Harmonie. Ein dichter Schleier aus Rauch und Stein unterlegt den Doctor immer, aber 2022 hat wirklich auch einen köstlichen, dichten, exotischen Fruchtausdruck, der dennoch total entspannt und elegant daher kommt. Nicht laut, nicht aufdringlich, ganz fein und filigran. Mineralität ist das Schlüsselwort bei Markus Molitor und die bringt kaum ein anderer Wein so sehr zum Ausdruck. Der Mund ist ein salzig-steiniges Ereignis der Extraklasse, dunkel, feuersteinig, kernig, alles wird von steinigen Gerbstoffen belegt. Alles bleibt für Minuten haften in dieser salzigen Steinigkeit. Der Wein zeigt eine Eleganz, eine universelle Multikomplexität, wie sie nur die besten Weißweine der Welt aufweisen. Egal, ob es nun um Chardonnay, Riesling oder Chenin Blanc handelt. Eine neverending Story im Mund und ich muss mich wirklich fragen wie oft ich einen Wein von dieser Intensität und dieser Komplexität und Mineralität probiert habe. Ganz großer Stoff. Aber der Wein braucht lange, wirklich sehr lange, um diese immense Mineralität vernünftig einzubinden. Es bleibt ein Wein, der weit mehr in die Eleganz und zum Stein geht als zur Frucht, vor allem im Mund. Auch wenn 2022 eine gewisse Zugänglichkeit vor anderen Jahrgängen zeigt. Genau das ist das Spiel von Markus Molitor. Eleganz und Mineralität at its best. 100/100