Bei Luigi Pira wird immer komplett entrappt. Keine Kaltmazeration, die Gärung dauert ungefähr zweieinhalb Wochen an, danach wird der Wein vier bis sechs Wochen natürlich abgesetzt im großen Stahltank. Während dieser Zeit sinken alle Schwebeteilchen auf den Boden des Tanks. Anschließend geht der klare Wein für zwei Jahre in 2.500 Liter große gebrauchte Holzfässer, also wenig Holzkontakt, nie neues Holz. Anschließend folgen noch ein paar Monate im Stahltank und ein langes Flaschenlager für mindestens ein weiteres Jahr, bevor der Wein in den Verkauf kommt. Die klassische und traditionelle Barolo-Rezeptur, so extrem sonst nur bei wenigen anderen Weingütern wie Bartolo Mascarello und bei Giacomo Conterno ausgeführt. Die mittlere Lage des Ortes Serralunga ist Luigi Piras Heimat und Aushängeschild. Seine Reben stehen direkt unterhalb des Weingutes, das sind die allerbesten Lagen von Serralunga. Die Böden sind stark eisen-geprägt und bringen kraftvolle Weine hervor. Das ist schon eine verrückte Situation: auf der einen Seite liegen die Weinberge von Angelo Gaja, auf der anderen Seite am Ortsausgang die Weinberge von Giacomo Conterno, und in der Mitte, im Filetstück, liegen die Weinberge von Luigi Pira. Ich glaube, es gibt kein besser gelegenes Weingut als Luigi Pira im Herzen Serralungas. Der Margheria ist eigentlich immer die »Turbo-Version« des Serralunga. Der Weinberg liegt fast direkt unter der Kellerei, abschüssig in Südexposition, hier stehen auch die ältesten Reben der Piras, sie wurden 1959 gepflanzt. Fassmuster, der Wein wird im Dezember 2025 abgefüllt. Mittleres, leuchtendes Rubinrot. Die Nase ist eine konzentrierte Essenz aus roten und schwarzen Kirschen! Zarte Kräuteraromen umschmeicheln diese immens saftige Frucht, auch Noten von schwarzem Tee, etwas Earl Grey, frische Minze und braune Gewürze wie Muskatnuss entwickeln sich im Glas. Die rauchige Mineralik legt erst nach ein paar Minuten im Glas so richtig los. Aromen von Jod und würzigem Salzstein sind zwar auch im Barolo Serralunga zu finden, allerdings ist in diesem Barolo Margheria eine viel intensivere Konzentration und Tiefe am Start. Der Wein macht allein, was die druckvoll schiebende, imposante, reife Aromatik anbelangt eine klare Ansage! Im Mund ist dieser Barolo Margheria mindestens ebenso dicht und schiebend! Eine Riesen-Kirschwelle nimmt die Zunge ein. Sobald sie abebbt bleiben verspielte braune Gewürze, auch etwas Pfeffer und die knackende salzige Mineralität auf der Zunge zurück – es ist beinahe so, als sei die Zunge von dieser dezent bitteren Würze wachgeküsst worden. Konzentrierte Kirschen, Pflaumen, auch Trockenpflaumen gleiten über die Zunge. Die Tannine sind hier ultra fein und versinken beinahe in dieser reifen, opulenten, saftigen Frucht – die Harmonie ist hergestellt, auch wenn der Wein dieses Jahr noch deutlich konzentrierter ist als sonst. Im Nachhall bleibt eine dezent herbale Kräuteraromatik auf der Zunge zurück. Im Vergleich zum duftenden, charmanten Chambolle-Musigny vom letzten Jahr lässt dieser Bodybuilder seine Muskeln wackeln. Margheria ist generell trotzdem verspielter, während die Lage Marenca immer mehr Dichte und Tiefe liefert. Ein ganz besonders schicker und sehr imposanter Wein aus Serralunga, der durch seine harmonische, ausgeglichene Frische erstaunt!