Lobenberg: Es gab viel Pilzdruck in Châteauneuf in 2024, vor allem für die Bio-Betriebe wie Caillou war es ein ständiger Kampf gegen die Nässe anzurennen. Auf Caillou haben die Biodynamiker alles gegeben, und dann eine zwar kleinere, aber sehr erfreuliche Ernte einbringen können. Die 2024er sind wunderbar leicht und beschwingt, haben eine sehr erfrischende, knackige Seite an sich. Ein bisschen wie 2008, nur präziser und klarer. Die Alkoholgrade sind niedriger, vor allem bei den Weißweine eine willkommene Abwechslung, die dadurch eine ganz neue Dimension an Trinkfluss erhalten. Die Roten sind sehr aromatisch und saftig, ein bisschen wie 2021, die noch kirschiger und burgundischer waren in der Auslegung. 2024 hat durch den heißen August schon etwas mehr Power mitbekommen, bleibt jedoch ein sehr eleganter und trinkfreudiger Jahrgang. Panisse ist die neue Bio-Domaine von Clos du Caillou. Fünf Hektar alte Reben in Châteauneuf-du-Pape. Anderthalb Hektar davon sind 100 Jahre alte Grenache auf sandigen Böden, dazu kommen 0,8 Hektar uralte Mourvèdre auf eher lehmhaltigen Terroirs, der Rest ist 50 bis 60 Jahre alte Grenache auf Sand. Die Trauben werden komplett entrappt und wie bei Biodynamikern üblich im Beton spontan vergoren. Ausgebaut wird in zwei bis drei Jahre alten Demi-Muids mit 600 Litern Fassungsvermögen. Diese uralten Reben wurden von den vorherigen Besitzern immer als lose Ware an Erzeuger wie Guigal und Chapoutier abgegeben. 2020 wurde das kleine Weingut verkauft – der biodynamische Nachbar Clos du Caillou bekam den Zuschlag im Wettbewerb vor Beaucastel und Janasse. Da gibt es in Frankreich so eine Art sozialistisches Zuschlagssystem: Der Preis steht fest und dann bekommt es der, den die Appellation gerne hätte. In diesem Fall das junge Ehepaar Marilou und Antoine Vacheron. Der Wein trägt die Zusatzbezeichnung »Le Mas« – Mas ist das provenzalische Wort für »Villa«, weil das Haus in der Mitte des Weinbergs steht. Hier wurden früher Werkzeuge und auch Pferde untergestellt. Kraftvolle Nase, deutlich mehr Druck als 2021, aber es geht in eine ähnliche Feinheit und Saftigkeit. Dunkler, schwärzer, klassischer in der Ausrichtung als Clos du Caillou. Es ist im Grunde ein urwüchsiger, klassischer Wein von den Sandböden um Courthezon, nur dass hier eben noch etwas mehr Lehm im Spiel ist, was ihm diese positive Rustizität gibt, diesen klassischen Charakter. Er hat eine Mischung aus süßer Erde, lehmig-staubigem Bodenausdruck und dieser erfrischenden, mundfüllenden Waldbeerenfrucht. So dicht und reich, wie ich es gar nicht erwartet hatte für 2024. Der Mund ist wahnsinnig intensiv, schiebend, so viel Druck, etwas geschmeidiger und kühler als 2022, aber schon mit viel mehr Power als 2021. Hier geht richtig die Post ab. Die geschmorte Lammschulter wartet schon im Ofen, denn jeder Schluck macht Hunger auf einen deftigen Bissen aus der Provence.