Trollinger? Eigentlich schon. Und dann irgendwie auch wieder überhaupt nicht. Dieser Wein hat mit den üblichen Klischees dieser Rebsorte ungefähr so viel zu tun wie ein großer Jura-Trousseau mit einem einfachen Landwein. Die Lassaks haben es nicht übers Herz gebracht, diesen uralten Weinberg zu roden. Zum Glück. Denn genau solche Parzellen findet man heute kaum noch. Die Reben sind über 70 Jahre alt und stehen auf alten Muschelkalkterrassen oberhalb des Neckars in der Lage Wurmberg. Eine wunderschöne Anlage mit winzigen Erträgen. Am Ende entstehen gerade einmal rund 900 Flaschen. Ein Teil wird komplett mit ganzen Trauben vergoren, ein anderer Teil teilweise entrappt. Wie immer erfolgt alles mit maximaler Zurückhaltung und minimalen Eingriffen. Schon die Nase macht sofort klar, dass hier etwas Eigenständiges im Glas steht. Hagebutte, Sauerkirsche und rote Johannisbeere treffen auf Blutorange, Himbeere, getrocknete Kräuter und Rosa Pfeffer Pfeffer. Dazu kommt diese leicht ätherische Frische, die unweigerlich an Trousseau aus dem Jura erinnert. Gleichzeitig besitzt der Wein aber auch diese unmittelbare Saftigkeit und Fruchtklarheit, die man bei den besten Beaujolais so liebt. Alles wirkt lebendig, ungekünstelt und voller Energie. Am Gaumen dann die pure Trinkfreude. Federleicht im Antritt, aber keineswegs dünn. Die alten Reben liefern deutlich mehr Substanz, als die helle Farbe zunächst vermuten lässt. Sauerkirsche, Cranberry und rote Waldbeeren werden von feiner Kalkmineralität und mundwässernder Salzigkeit getragen. Die Ganztrauben bringen zusätzliche Würze und Struktur, bleiben aber vollkommen integriert. Nichts wirkt grün oder aufgesetzt. Der Wein tänzelt förmlich über die Zunge, gewinnt mit Luft aber immer mehr Tiefe. Das Faszinierende ist diese Balance zwischen Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit. Der Trollinger wirkt spielerisch und zugänglich, besitzt gleichzeitig aber erstaunlich viel Charakter und Herkunftsausdruck. Die alten Muschelkalkterrassen, die niedrigen Erträge und die kompromisslose Arbeit der Lassaks sind jederzeit spürbar. Irgendwo zwischen Jura, Beaujolais und Neckartal. Vor allem aber ein Wein mit einer ganz eigenen Persönlichkeit. Ohne Frage einer der spannendsten Trollinger, die derzeit in Deutschland entstehen und gleichzeitig auch einer der rarsten. Tolles Debüt!