Die Steige ist so etwas wie das Herzstück der Rotweine von Lassak. Ein südlich exponiertes Plateau hoch über dem Neckar, geprägt von eisenhaltigem Muschelkalk und permanent durchzogen von kühlen Luftströmungen. Die Lage wurde nie flurbereinigt, stattdessen besteht sie bis heute aus zahlreichen kleinen Parzellen. Für den Steige wird ausschließlich das Kernstück der Lage verwendet, ein Hangrücken mit bis zu 50 Jahre alten Reben. Entsprechend klein fällt die Produktion aus. Vom 2024er entstanden gerade einmal rund 850 Liter. Wie immer bei Lassak erfolgt die Vergärung spontan im offenen Holzgärständer mit hohem Ganztraubenanteil. Extrahiert wird nur äußerst behutsam und die Frucht soll nie dominieren, sondern lediglich Träger des Terroirs sein. Anschließend reift der Wein für 18 Monate in gebrauchten Fässern von Liger-Belair aus Vosne-Romanée, bevor er unfiltriert abgefüllt wird. Schon die Nase zeigt eine völlig andere Dimension als der Gutswein. Alles wirkt tiefer, komplexer und gleichzeitig noch feiner. Reife Kirsche, rote Pflaume und rote Johannisbeere treffen auf frische Kräuter, etwas weißen Pfeffer und eine feine eisenhaltige Würze. Nichts wirkt laut oder vordergründig. Die Frucht schwebt förmlich über dem Glas, während darunter Kalk, Kräuter und Mineralität immer mehr Raum einnehmen. Ein Wein, der mit jeder Minute gewinnt. Am Gaumen dann die purste Eleganz. Der Steige tänzelt förmlich über die Zunge. Samtiges, ultra feinkörniges Tannin trifft auf eine vibrierende Frische und diese unverwechselbare Salzigkeit, die sich durch alle großen Lassak-Weine zieht. Die Frucht bleibt stets transparent und präzise. Kirsche, rote Beeren und feine Kräuterwürze werden von Kalk und einer fast kreidigen Mineralität eingerahmt. Die Struktur wirkt unglaublich fein, gleichzeitig besitzt der Wein aber erstaunliche Tiefe und Länge. Was diesen Wein so faszinierend macht, ist die Verbindung aus Substanz und Schwerelosigkeit. Gewisse burgundische Assoziationen blitzen immer wieder auf. Wer die großen Blaufränkisch von Moric oder die feinsten Pinots aus Vosne-Romanée kennt, wird nicht zufällig gewisse stilistische Parallelen entdecken, denn Stefanie Lassak hat unter anderem bei Roland Velich und Liger-Belair gearbeitet. Dieses Verständnis von Transparenz, Eleganz und Herkunft scheint heute auch ihre eigene Handschrift zu prägen. Der Steige wirkt dabei jedoch nie wie eine Kopie seiner Vorbilder, dafür ist die Herkunft aus Hessigheim viel zu präsent. Der eisenhaltige Muschelkalk, die alten Reben und die kühle Frische des Neckartals verleihen dem Wein eine völlig eigene Identität. Ein leichtfüßiger Wein, aber ganz sicher kein leichter. Hier steckt enorme Substanz unter der Oberfläche. Der bislang kompletteste und tiefste Lemberger der Lassaks und ohne Zweifel einer der feinsten Vertreter seiner Rebsorte in Deutschlands, wenn nicht sogar international.