Die Trauben sind in den Gemeinden Chavot und Mancy gewachsen. In diesem Plot stehen Lahertes älteste Reben, 1927 gepflanzt. Ein guter Teil davon wurzelecht. Vom Boden her ist das eigentlich eine Chardonnay-Parzelle, weil sie auf sehr purem Kalkstein steht. Allerdings liegt die Parzelle in einer Senke, in der in so vielen Jahren Spätfroste eingeschlagen sind, dass Aureliens Großvater sich entschieden hat den später austreibenden Pinot Meunier hier zu pflanzen. In einer Blindprobe nahezu nicht als Meunier auszumachen in dieser mineralischer Schärfe und Präzision. Der Boden ist extrem komplex, überwiegend flachgründiger, lehmiger Kalkstein mit Einsprengseln von Kreide, kleinen Kieselsteinen und sogar etwas Silex. Der Unterboden ist dann purer Kalksteinfels. Hier steht 100 Prozent Pinot Meunier, der etwas lehmigere Böden gerne hat. Der Ausbau erfolgt in Burgunder-Barriques, der Grundwein macht keine Malo wie üblich bei Laherte. Sechs Monate auf der Hefe im Fass mit Batonnage, danach drei Jahre Hefelager auf der Flasche. Mit 2 g/l Dosage degorgiert. Wunderbare Meunier-Nase von rotem Apfel, Nektarine, etwas Marille und ein bisschen Kreidestaub darüber gestreuselt. Aber das Ganze kommt mit einem Druck und einer Reichhaltigkeit, dass man es kaum glauben mag. 2022 war nach dem kühlen 2021 kommend ein warmer, vollreifer Jahrgang, der mehr Gourmandise und Cremigkeit mitbringt. Was ist das für ein Kraftpaket! Schon in der Nase so viel Schubkraft, Frucht, Mineralik und Druck, was passiert dann erst am Gaumen?! Da folgt ein Auftritt der Extraklasse, wow, ist das intensiv und reich. Gelber und roter Apfel preschen mit immensem Druck nach vorne, dann Grapefruit, massive Salzigkeit darunter, fast bissig in der hohen Intensität. Der Oszillograph schlägt in alle Richtungen aus. Solch eine Power gab es früher kaum in der Champagne, der Klimawandel macht es möglich. Definitiv kein Aperitif-Champagner, sondern ein großer Wein mit hohem Anspruch, massivem Format und fast dramatischer Intensität.