Der Kallstadter Saumagen ist ohne Zweifel eine der berühmtesten Lagen der Pfalz – geprägt von Kalkstein, kühler Ausrichtung und einer langen Historie großer trockener Rieslinge. Internationale Bekanntheit erlangte sie durch Bernd Philippi, der bei Koehler-Ruprecht in den 1990er-Jahren ikonische Weine schuf. Bis heute bleibt die Philosophie im Keller unverändert: spontane Vergärung, Ausbau im großen Holzfass, langes Hefelager, keine Schönung – traditionell und handwerklich im besten Sinne. 2024 war bei Koehler-Ruprecht ein Jahrgang mit recht geringem Ertrag und ohne übertriebene Mostgewichte. Eine trockene Auslese wurde gar nicht gefüllt, alles konzentrierte sich nach oben hin in der Spätlese. Umso spannender ist der Kabinett trocken, der 2024 noch einmal eine Spur feiner und eleganter wirkt als im Vorjahr. Die Nase ist hochfein, kräutrig und sehr klar. Lindenblüte, Zitronenverbene, frische Minze und ein Hauch Kerbel, dazu Limettenschale, weißer Apfel, etwas Stachelbeere und ein ganz zarter Anflug von Quittenblüte. Darunter liegt diese kühle, kreidige Saumagen-Mineralität, die dem Wein sofort Ernsthaftigkeit gibt. Keine laute Frucht, keine barocke Pfalz, sondern ein wunderbar zurückgenommener, filigraner Kabinett mit viel innerer Spannung. Am Gaumen saftig, schlank und fein ziseliert. Die Frucht bleibt hell und präzise: Limette, weißer Apfel, etwas Pomelo und ein Hauch weißer Pfirsichhaut. Dazu kommen wieder feine Kräuter, etwas Salbei, Kalkstaub und eine salzige Würze. Die Säure ist lebendig, aber nicht spitz, sie zieht den Wein elegant in die Länge. Weniger fleischig als 2023, dafür kühler, klarer und noch etwas schwebender. Die Textur bleibt ganz Koehler-Ruprecht: cremig vom Holz und langen Hefelager, aber nie schwer. Ein ruhiger, trockener Kabinett mit Tiefe, Finesse und diesem unverkennbaren klassischen Pfälzer Charakter. Sehr gelungen und ganz typisch K-R.,