Leistadt ist eines der spannendsten Terroirs der Pfalz – wild, karg, hochgelegen, kühl und doch voller innerer Kraft. Mit dem 2023er wird aus dem früheren »Mineral« nun ein klar definierter Ortswein, der diese Herkunft erstmals ganz gezielt in den Vordergrund stellt. Karsten verlegt immer mehr Rebfläche hier hin, da es seiner Meinung nach ein Ort mit super viel Potenzial ist. Die Rings-Brüder haben das mit ihrem Wein aus dem Kalkofen auch schon vorgemacht. Die Reben wachsen auf Terrassenlagen am Waldrand, umgeben von alten Bäumen, durchlüftet von kühlen Fallwinden – fast eine Art Pfälzer Hochlage, die in ihrer strukturellen Frische an die Côte d’Or erinnert. Vergoren und ausgebaut wird ausschließlich in Barriques, rund 30 Prozent davon neu. Doch das Holz bleibt völlig im Hintergrund, dient nur der Struktur und dem feinen Schmelz. Schon die Nase ist bemerkenswert klar und kühl gezeichnet: Zitronenabrieb, milde Limette, knackiger grüner Apfel, weiße Birne. Dazu kommt diese typische steinige Note, Graphit, Feuerstein, ein Hauch gerösteter Haselnuss. Stilistisch erinnert das eher an Saint-Aubin oder auch einen mineralischeren Meursault mit wenig BSA – sehr präzise, sehr fokussiert, nie weich, nie opulent. Am Gaumen zeigt sich der Chardonnay dann mit verblüffender Spannung und Tiefe. Diese kühle Aromatik, fast schon kristallin in ihrer Klarheit, trifft auf einen feinen, saftigen Kern, der für eine großartige Balance sorgt. Der Wein spielt gekonnt mit den Kontrasten von Frische und Substanz, besitzt eine vibrierende Säure, die ihm Zug verleiht, aber auch eine kreidige Textur und einen zarten Schmelz, der sich erst im Nachhall richtig entfaltet. Dabei bleibt alles extrem präzise und fein gearbeitet, nichts wirkt breit oder vordergründig. Die dunkle Mineralität zieht sich durch das gesamte Aromenspektrum, verleiht Tiefe und Ernsthaftigkeit. Das ist Chardonnay in fast burgundischer Lesart – aber eben mit dem feinen Pfälzer Twist: ein Hauch mehr Saft, ein wenig mehr innerer Druck. Dieser Leistadter Chardonnay ist Ausdruck eines Terroirs, das lange unterschätzt wurde und jetzt langsam beginnt, seine ganze Klasse zu zeigen. Karsten Peter stellt mit dieser Abfüllung nicht nur eine neue, hochspannende Ortswein-Linie auf die Beine – er legt damit auch den Finger auf eines der großen weißen Zukunftsthemen der Pfalz. Großartig!