Mit dem neuen Calcaire Blanc legt Johannes Jülg einen Ortswein vor, der sofort zeigt, wohin die Reise geht. Der bisherige Weißburgunder Schweigen ist damit Geschichte – an seine Stelle tritt eine Cuvée aus Chardonnay, Weißburgunder und Grauburgunder, die nicht die Rebsorte, sondern kompromisslos die Herkunft in den Vordergrund stellt. Kalkstein pur, Schweigen pur. Ein ähnlicher Gedanke wie bei Julian Hubers Breisgau: die Essenz der Böden vor den Lagenweinen zeigen, eine Vorstufe, ein Botschafter. Die Trauben stammen aus den besten kalkgeprägten Weinbergen rund um Schweigen, natürlich alle von Hand gelesen, schonend verarbeitet. Zwölf Monate auf der Vollhefe im gebrauchten Tonneaux, danach weitere 18 Monate auf der Feinhefe im Edelstahl – unfiltriert und ungeschönt gefüllt. Zeit formt den Wein, Kalkstein gibt ihm seine Seele. Die Nase ist subtil, klar und vielschichtig: Ganz zarte Reduktion zu Beginn, etwas Feuerstein und regennasser Kalk, Williamsbirne, weißer Pfirsich, Amalfi-Zitrone, ein Hauch von gerösteter Haselnuss, dazu zarte Hefenoten und ein Anflug von Kreide. Nichts Lautes, alles auf feiner Spannung, von kühler Kalkstein-Mineralik durchzogen. Am Gaumen dann eine perfekte Balance aus cremiger Textur und straffer, salziger Frische. Saftige Birnenfrucht, etwas Zitronenzeste, ein Hauch von Quitte, dazu feine Würze und ein kalkig-kreidiger Grip, der den Wein in die Länge zieht. Trotz des warmen Jahrgangs bleibt alles unglaublich präzise, geradlinig und kühl. Der Calcaire Blanc ist neu und damit noch ein Geheimtipp, aber was für einer! Ein quasi universeller Wein, für so viele Anlässe einfach perfekt. Dabei mineralisch, puristisch, voller Charakter und doch mit eleganter Frucht – ein Vorbote der Lagenweine, aber mit eigenständiger Größe. Ein Wein, der schon jetzt immense Freude macht, aber auch zeigt, wie lohnend Geduld sein kann. Gute Lagen, Zeit und Handwerk, mehr braucht es nicht für große Eleganz.