In 2022 war die Trockenheit das bestimmende Thema über den Sommer, dann kam der Regen im Herbst, der zu einem mutigen Wartespiel wurde. Alexander hat einen Großteil seiner Trauben vor dem Regen geholt, weil er nicht pokern wollte oder anders gesagt die reifen Trauben reinholen wollte, um im schlimmsten Fall nicht zu viel zu verlieren. Dann ging es immer wieder hin und her mit partiellen Regenschauern und am Ende war für Alexander alles was vor dem Regen geholt wurde das größere und bessere Material. Wie immer bei Stodden komplett entrappt. Alexander mag keinerlei grüne Noten in seinen Weinen. Spontane Angärung im Edelstahl, Ausbau in Barriques in dritter Belegung und ungefähr 10 Prozent Neuholzanteil. Im JS noch mehr als dem J begeistert diese feine Extraktsüße, die Weine sind knalltrocken, aber sie duften so wunderbar köstlich nach reifen Beeren und süßen Gewürzen, süße Veilchen, sehr viel Kalkstein und Feuerstein im Duft. Enormer Spannungsbogen aus reifer Schwarzkirsche mit Brombeere und einem Hauch Meersalz. Die 2022er sind wirklich eine berauschende Delikatesse, reich, duftig, vollmundig und satt. Im Gegensatz zum fruchtigeren J kommt der Mund dann aber mit einem mineralisch-salzigen Druck angerauscht. Diese hohe Frische und Pikanz aus der Cassis und der Johannisbeere mochte man dem heißen Jahrgang gar nicht zutrauen. Tolles Säurespiel, die Energie erinnert etwas an 2019, hat darüber diese leicht beerig-schokoladige Frucht von 2018 und die Konzentration von 2015. Das ist schon ein sehr hedonistisches, leckeres, fruchtopulentes Jahr. Dennoch hat Alexander Stodden es geschafft die Spannung und den Alkohol im Griff zu behalten. Diese kanalisierte Frische, zusammen mit der feuersteinigen Schiefermineralik, die den Wein mit viel Nachdruck marmoriert, wird in 2022 von einem unglaublich köstlichen, fast süßen Tannin- und Fruchtmantel begleitet. Reich und unendlich fein, samtig, saftig. Man will ins Glas springen so köstlich ist dieser beerige Saft. Moselanisch tänzelnd und doch so burgundisch reich und mundfüllend. Eine superbe Kombination. Die feine Handschrift von Alexander Stodden mit seiner kompletten Entrappung und dem heute sehr eleganten Holzeinsatz tun ihr übriges dazu. Toller Spätburgunder für die Freude, schon jung mit großem Genuss antrinkbar!