Das Große Gewächs aus dem Herrenberg wächst im nicht flurbereinigten Teil, hier stehen 55 bis 60 Jahre alte Reben. Dunkles Schiefergestein, recht fein verwittert mit Steinen und leichtem Lehmeinfluss. Der nach den alten Reben grandiosesten Wein bei Stodden. Die Vergärung geschieht zu 100 Prozent im Stahl, immer komplett entrappt mit einer Kaltmazeration vorweg. Bei Stodden wird grundsätzlich spontan angegoren. Die Nase ist würzig, deutlich dunkler als der Sonnenberg, hier haben wir den klaren Abdruck des Schiefers schon in der Nase. Die Nase ist weniger würzig als in 2019 oder zumindest steht etwas mehr Frucht entgegen aktuell, der Wein ist nicht reduktiv, auch wenn er sich rauchig-steinig wie immer zeigt. Die Frucht ist duftig, aromatisch und einnehmend, Schlehe, roter Pfirsich, Herzkirsche, Garrigues, gesüßter Schwarztee. Dann kommt der Mund und man wird fast weggeblasen von dieser klirrenden Mineralität, dieser zwingenden Salzigkeit. Wow, sooo rassig und rasiermesserscharf geschliffen war die Ahr lange nicht mehr. Energie, Energie, Energie. Langsam schiebt sich die eisenartige Würze wieder hoch im Nachhall, wild und würzig mit Jod, Blut, Holzkohle. Der Wein ist alles andere als opulent, er ist ein geschliffener Athlet, der dennoch so irre viel Spannung und Mineralität transportiert, dass man sich wundert wie so viel Intensität in einen an sich recht feinen Spätburgunder passt. Hintenraus kommen etwas wärmende Hände im Rücken, die süße Sauerkirsche verbindet sich mit der dunklen Schieferwürze zu einem kanalisierten Strom, der kühl und fein dahingleitet, aber stets von der würzigen Wärme der Ahr unterlegt bleibt. Das Herrenberg GG ist mein heimlicher Liebling dieses Jahr, die Energie ist absolut grandios! 97-98/100,