Hier ganz im Süden der Côte de Beaune war das Wetter 2024 zumindest etwas weniger harsch als an der Côte de Nuits, entsprechend ist die Ernte auch ein bisschen größer ausgefallen, vor allem bei den Weißen. Die Pinot Noirs waren dennoch durchaus betroffen und da hat JM Vincent auch teilweise abgestuft und deutlich weniger erzeugt. Das ist eben sein Qualitätsanspruch, wohl mit der höchste an der Côte de Beaune, das ist echt irre. JM Vincent erinnert es am ehesten an 2012 vom Witterungsverlauf, ebenfalls ein Jahrgang mit hohem Mehltaudruck. Ich bin wirklich erstaunt wie viel Dichte und Kraft der Jahrgang im Süden hier entwickelt hat, zumindest bei den Top-Winzern, die so brutal im Weinberg arbeiten – das war bei Bruno Lorenzon an der Chalonnaise auch so. Junge Reben mit perfektem Rebmaterial gepflanzt, 14.000 Stöcke auf dem Hektar, eigene Selektion Massale, enorme Dichtpflanzung und hohe Laubwände. Die Trauben werden mit den Füßen eingestampft, das erzeugt rund 0,2 Bar. JM Vincent presst extrem hart, er hat seine Presse so eingestellt, dass sie wie die alten Vasselinpressen läuft. Dadurch erhält er diese Dimension und Tiefe in der Struktur. Die Trauben werden dafür sehr reif und eher spät gelesen, dafür wird nur der erste Teil der Pressung verwendet. Ein Teil steht in einer Santenay Village und ein Teil im 1er Cru Passetemps. Ein sehr konzentrierter Chardonnay mit Quittenbirne, Zitronenthymian, geröstetem Brioche. Er hat eine wunderbar feine Textur, dicht, versammelt, aus großer Tiefe schürfend. Würze Zitrusfrucht im Mund, aber nichts Extremes, sondern seidig und mit großer Harmonie. Nicht die grüne Attacke von 2021, nein, wir haben mehr Dichte und Schub. Irgendwo zwischen 2012 und 2014 im Stil. Eine außergewöhnliche Mischung aus hoher Dichte und viel kühler Säurefrische.