Lobenberg: Der Escherndorfer Lump öffnet sich wie ein Parabolspiegel gen Süden und fängt das ganze Jahr über die Sonne ein. Der Steilhang mit Muschelkalkboden ist perfekt vor kühlen Nordwinden geschützt. Die Reben sind sehr alt, zwischen 1971 und 1978 gepflanzt. Die kerngesunden Beeren werden entrappt und bekommen dann eine 24-stündige Maischestandzeit. Danach wird spontan vergoren und vier bis fünf Monate auf der Hefe ausgebaut. Der Restzucker liegt bei knapp 20 Gramm bei über 7 Gramm Säure, ziemlich das Optimum. Das ist die Quadratur des Kreises bei Sauer. Das ist eine meiner jedes Jahr gekauften Scheureben, weil dieser Wein von Horst Sauer einfach so ein Unikat ist, da er einen Bereich abdeckt, den kaum ein anderer Wein zu treffen vermag. Die Säure lässt den Restzucker kaum spürbar werden, macht diesen Wein einfach so genial süffig. Geniale Nase mit gelber Birne, Passionsfrucht, reife Grapefruit, Tonicwater. 2022 hat schon viel Power in der Überwiegend gesundes Lesegut, nur ein Hauch Botrytis ist hier dabei. Diese wollüstige Fruchtopulenz, das ist schon ein Hammer. Der Wein hat Länge, Frucht und eben eine immensen Fruchtdruck. Er trinkt sich angenehm leicht dank seiner tollen Spannung. Der Speichel fließt in Strömen. So saftig und aromatisch. Das ist ein großer Spaßmacher und eine tolle Alternative zu Riesling, Silvaner und den Üblichen. Das ist viel fruchtiger als jeder Silvaner, aber weniger zitrisch als jeder Riesling. Dafür ebenso intensiv, so reif und vollmundig, wirklich spannend. Nein, Scheurebe kann nie Weltklasse darstellen, aber sie kann auf ganz hohem Niveau große Freude bereiten. Der Wein ist für das was er kostet eigentlich ein Superschnäppchen, weil er so unglaublich köstlich ist. 93-94/100