Der Roth Lay wächst auf Schieferterrassen direkt zur Mosel. Der Schiefer ist klassischer Devonschiefer mit sehr hohem Eisengehalt, also rötlich gefärbt. Verwitterungsgestein. Der Wein wird nach der Ernte in ganzen Trauben angequetscht. Kurze Maischestandzeit im Kühlhaus, ohne, dass die Gärung beginnt. Vorsichtiges abpressen und Vergärung mit spontaner Hefe im großen Holzfass. Er verbleibt bis zum übernächsten Frühjahr der Vollhefe. Das ist Reinhard und Sarah Löwensteins langsamer Wein. Sehr tiefe, ruhige Nase, wie immer zeigt der Roth Lay keine überschwängliche Fruchtigkeit, hat nichts Lautes oder übermäßig Expressives an sich. Ein Riesling, wie ein großer Burgunder, vordergründig verschlossen, aber hintenraus eröffnet sich eine ganz neue Dimension. In 2023 verblüfft mich der Roth Lay, wie eigentlich jedes Jahr, durch seine hohe Spannung, durch diesen unbedingten Mineraltrieb. Er hat eine gewisse Restsüße zwischen vier und fünf Gramm, die aber überhaupt keine Rolle spielt hier, so stramm und herbmineralisch kommt dieser Roth Lay auf die Zunge. Man kann diesen hochverdichteten Fruchtkern kaum auseinander dividieren, so konzentriert ist er, tabakig, eisenwürzig, Schwarztee, roter Pfeffer, frisches Lorbeerblatt, ein bisschen Grapefruit scheint durch, dann wieder grünes Zigarrendeckblatt und viel Eisenmineral im Nachdruck. Was für ein Zug! Er marschiert durch den Mund wie man es eher vom Blaufüßer gewohnt ist, sehr straight, mineralgetrieben und energetisch wie eine Sprungfeder. Jedes Jahr aufs Neue überrascht mich dieser eigenwillige Charakter des Roth Lay. Denn er hat auch eine gewisse Cremigkeit, diese Verspieltheit aus Veilchen und Pfingstrosen, dann wieder bissiges Salz, dunkle Mineralik und herbe Tee-Aromen und wieder süßere Fruchtelemente. Alles ist zu einem in sich ruhenden Kern verdichtet. Roth Lay ist der Fels in der Brandung, er macht sein eigenes Ding und man kann ihm als Trinker einfach nur fasziniert folgen. Mosel in eigenwillig und groß!