Der Heilige Blutberg wird von einem für die Gegend seltenen, schwarzen Vulkangestein durchzogen, dem Melaphyr. Diese Böden findet man eher an der Nahe als in Rheinhessen. Heiligenblut ist hier ein Terroir-Bruder von Wagner-Stempel, zwei Weingüter, die in Rheinhessen ein Alleinstellungsmerkmal haben. In ebenjener Einzellage Heiliger Blutberg stehen auch die rund 70 Jahre alten Reben für den Attila, die der Urgroßvater gepflanzt hat. Es sind die ältesten Reben des Weingutes. Es gibt nur rund 500 Flaschen von dieser Sonderserie. Maischestandzeit, dann spontan vergoren, anschließend bekommt er knappe zwei Jahre Hefelager im großen Holzfass, bevor er unfiltriert, ungeschönt, mit nur geringer Schwefelgabe abgefüllt wird. Das ist einer der wenigen wirklich großen Silvaner Rheinhessens neben jenen von Carsten Saalwächter, KP Keller und früher auch Michi Teschkes. Der Landwein kommt mit nur 10.5% vol. Alkohol daher, entwickelt aber im Glas eine Dichte und einen energetischen Kern, dass man das kaum glauben kann. Aromatisch bleibt er weitgehend fruchtreduziert mit rauchig-kalkigen Aromen, einem kleinen Hauch Quitte, ansonsten bleibt er im Kräuter-Mineralspektrum mit Bergwiesenheu, weißer Pfeffer, Kerbel, grüner Tee, auch Salzkaramell. Er schiebt mit sagenhaft viel Druck über den Gaumen mit seinem verdichteten Kern aus Kräutern, Stein und Salz, der einen mundwässernden Abdruck mit feinem Gerbstoffgerüst hinterlässt. Das ist nicht nur für Rheinhessen grandios, sondern spielt in der ersten Liga der deutschen Silvaner mit. Wie alles bei Heiligenblut ist auch dieser Attila ein eigenwilliger Typ, kein Crowdpleaser, sondern fordernd und zupackend, ohne aber in die grüne säurelastige Schiene zu gehen. Sehr spannender Wein.