Die Gemeinde Alzey-Weinheim ist teils von schwarzem Vulkangestein durchzogen, dem Melaphyr. Diese Böden findet man normal eher an der Nahe als in Rheinhessen. Heiligenblut ist hier ein Terroir-Bruder von Wagner-Stempel, zwei Weingüter, die in Rheinhessen ein Alleinstellungsmerkmal haben. Biologische Bewirtschaftung im Weinberg und eher oxidatives, naturnahes Arbeiten im Keller. Entsprechend entwickeln die Heiligenblut-Weine eine ganz eigene Aromenwelt, die sich von typischem Rheinhessen-Riesling durchaus unterscheidet. Riesling von der Stange sollte man von diesem Weingut nicht erwarten. Er bekommt einige Stunden Standzeit im eigenen Saft mit den Schalen auf der Maische, dann wird spontan durchgegoren unter 2 g/l Restzucker. In der Nase Bergwiesenheu, schwarzer Sesam, Kamille, zerstoßene Muschelschale, weißer Pfeffer und leichten Kräuterbittern daneben. Packender, strukturierter und fordernder Mundeintritt mit viel Energie und kraftvollem, dichtem, fast wildem Auftreten. Sehr charakterstark. Rheinhessen trifft Jura oder spanische Hochlagen. Schon im Ortswein hat das einen Anspruch, der bei weitem über die Norm hinausgeht. Das ist kein Lecker-Weinchen, sondern ein fruchtbefreiter, würzig-dichter Mineralkracher mit Bitterturbo. Wer auf Riesling abseits des Mainstreams steht, wird hier fündig. Toller Stoff, aber nichts für Einsteiger.