Hanspeter Ziereisen: Blauer Spätburgunder Jaspis Hermann 2022

Hanspeter Ziereisen: Blauer Spätburgunder Jaspis Hermann 2022

Spätburgunder
rot, trocken
12,5% Vol.
Trinkreife: 2026–2044
seidig & aromatisch
strukturiert
frische Säure
Lobenberg: 97/100
Falstaff: 97/100
Deutschland, Baden
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Blauer Spätburgunder Jaspis Hermann 2022

97
/100

Der »Hermann« feierte mit dem Jahrgang 2021 seine Prämiere. Es ist eine Selektion der ältesten Reben innerhalb des Talrain, Anfang der 1970er Jahre gepflanzt, wohingegen die Reben für den Talrain im Schnitt 20-30 Jahre alt sind. Muschelkalk mit Lössauflage, also eher schwere Böden, aber gleichzeitig ist das die kühlste Parzelle hier. Im etwas wärmeren Jahr 2022 präsentiert sich dieser Wein nun etwas runder, saftiger, hedonistischer noch in seiner Ausprägung. Das passt einfach perfekt zusammen mit dieser kühlen Lage! Wie in vielen Lagen von Ziereisen, haben wir auch hier überwiegend deutsche Spätburgunder-Genetik und auch der Ausbau erfolgt in Fässern aus deutscher Eiche. Die Vergärung hingegen in einem alten Holzgärständer von Rhône-Winzer Pierre Gonon, einem Freund und großen Idol von Hanspeter. Rund 40% Rappen in 2022. Die Nase ist schon betörend kirschig, saftig und tief. Dunkle Herzkirsche mit dunkler Himbeere, Veilchen, Kubebenpfeffer, dazu zerstoßener Kalkstein und eine ganz zarte Rauchigkeit. Diese Aromatik setzt sich dann auch am Gaumen fort, hier haben wir wieder viel Saft aus konzentrierter Kirsche, Himbeermark, dazu aber auch vibrierende, rote Frucht. Sauerkirsche, sogar etwas herbe Cranberry, dazu Pfeffrigkeit im Nachhall. Sehr lang und geradeauslaufend auf kalkig-salziger Mineralität. Frische Säure und geschliffenes Tannin sind dabei im ständigen Wechselspiel. Das ist schon deutlich konzentrierter und kraftvoller als der Debütwein im vergangenen Jahr. Geniale Tiefe und Aromenkomplexität. Wenn man hier einen Burgundvergleich nennen möchte, dann wäre es hier ein eleganter Vosne-Romanée. Ein großartiger, neuer Langstreckenläufer im Portfolio der Ziereisens, der aber jetzt in der Jugend auch schon so unglaublich entzückend seinen Charme ausspielt.

Jahrgangsbericht

Der paradoxe Extrem-Jahrgang 2022 präsentiert sich in Deutschland überraschend elegant, zugänglich und fein. Abseits jeder Hitze-Üppigkeit bestechen die Top-Weine mit reifem Säurespiel, klarer Terroir-Zeichnung und tänzerischer Brillanz – ein extrem selektiver, aber in der Spitze historisch großer Erfolg.

97
/100

Falstaff über: Blauer Spätburgunder Jaspis Hermann

Im Duft: Lebkuchen, Cassata, Amarenakirsche, dann aber auch Kräuterbitter und hefige Noten. Der Gaumen erweist sich als humorlos trocken, ist extrem dicht mit feinkörnigem Gerbstoff besetzt, obwohl der Duft erste Öffnung erkennen lässt, ist der Gaumen noch komplett verschlossen. Sehr lang (dies im Moment aber rein strukturell, das Aromenpotenzial steht außer Frage).

Mein Winzer

Hanspeter Ziereisen

Den in Mischwirtschaft betriebenen Hof seiner Eltern wollte der gelernte Zimmermann Hanspeter Ziereisen zunächst nicht weiter führen, zu mühsam war der Broterwerb als Landwirt im Spargeldominierten Markgräflerland.

Blauer Spätburgunder Jaspis Hermann 2022