Giant Steps: Pinot Noir Applejack Vineyard 2025

Giant Steps: Pinot Noir Applejack Vineyard 2025

Pinot Noir 100%
rot, trocken
13,5% Vol.
Trinkreife: 2026–2041
seidig & aromatisch
pikant & würzig
fruchtbetont
Lobenberg: 98/100
Suckling zu 2024: 97/100
Parker zu 2024: 96/100
Australien, Victoria
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Pinot Noir Applejack Vineyard 2025

98
/100

Der Applejack Vineyard ist in Dichtbepflanzung auf einem Hügel mit vulkanischem Basaltuntergrund in Ostausrichtung angelegt. Die etwas kühlere Höhenlage ist zudem der milderen Morgensonne zugewandt – das sorgt hier immer für Frische. Tendenziell wird circa drei bis vier Wochen später als in den Tallagen des Yarra Valleys gelesen. Nach der sorgfältigen Handlese werden die Trauben erst einmal über Nacht auf 12 °C heruntergekühlt – das führt im finalen Wein zu maximaler aromatischer Komplexität. Im Keller werden die unterschiedlichen Pinot-Noir-Klone des Applejack Vineyards dann separat behandelt. Der MV6 (das steht für »Mother Vine« und ist ein Abkömmling der ersten in Australien angekommenen Klone) wird zu einem großen Anteil von 60 bis sogar 100 Prozent (je nach Reife des Jahrgangs), als ganze Traube vergoren, also mitsamt den Rappen. Das trägt zum unwiderstehlichen, floral-würzigen Aroma sowie dem ultra harmonischen, wohldosierten Grip am Gaumen bei. Der burgundische Pommard- und die Abel-Klone werden komplett abgebeert und durchlaufen dann einige Tage Kaltmaischung für eine sanfte Farb- und Fruchtextraktion, bevor sie ebenfalls spontan mit wilden Hefen in kleinen, offenen Holzgärbottichen und Edelstahl-Tanks vergoren werden. Der Trester wird hier immer sehr sanft behandelt, damit keine bitteren Tannine extrahiert werden. Der elfmonatige Ausbau erfolgt in klassischen 225 Liter fassenden Barriques aus französischer Eiche. Der Großteil davon ist gebraucht, mit ungefähr einem Viertel Neuholz. Beinahe tiefes, elegant leuchtendes Rubinrot mit einem jugendlichen Hauch Violett. Schon beim ersten Riechen startet dieser Pinot seine Charmeoffensive! Reife schwarze Kirschen, Brombeere, etwas reife Heidelbeere und Boysenbeere sowie hochreife, saftige Himbeere paaren sich mit perfekt eingebundenen, aber durchaus deutlichen Aromen vom Holzausbau. Muskatnuss, Zedernholz, Nelken und pudrige, warme braune Gewürze wie Vanille und Zimt zeigen sich. Auch eine zart rauchige, an Granit und Schieferstein erinnernde Mineralik sowie etwas duftendes, warmes Kerzenwachs sind im Glas. Die Aromen von Veilchen, getrocknetem Potpourri, Blutorange und einem zarten Hauch Minze muss man nach und nach aus dem Glas locken. Auch diese tiefe, immens vielschichtige Kräuterwürze, die auf Ganztrauben schließen lässt, kommt erst mit etwas Zeit zaghaft aus dem Glas gewabert. Insgesamt ist der Applejack Pinot zwar beeindruckend konzentriert, dabei aber zugleich in harmonischer, sinnlicher Perfektion. Die Aromenregler sind genau so weit aufgedreht, dass das Genusserlebnis hier schon allein beim Riechen einer Ekstase gleicht. Als würde das Riechzentrum in der Tiefe gekitzelt. Wahnsinn – ich möchte gar nicht mehr aufhören, diesen Duft aufzusaugen. Die Nase wandert unweigerlich immer wieder zum Glas. Im Mund schwappt dieser Pinot mit enorm viel Saftigkeit über die Zunge und wird dann sofort mit genau der richtigen Dosis an Tanninstruktur wieder eingefangen und gezügelt. Das ist schon ganz klar ein Pinot der Meisterklasse! Reife Schwarzkirsche und Himbeeren, auch Himbeerblätter. Die sagenhafte Frische von roten Johannisbeeren und Cranberry spült die saftige, reife Frucht sogleich die Kehle hinunter und lässt die reifen, geschliffenen Tannine zurück. Wow, ist das schick! Saftig und erotisch – ein Pinot, der die Sinne umgarnt und zu dominieren weiß. Der nächste Schluck ist dem Himmel noch ein Stück näher. Hammer! Wer hätte gedacht, dass es so einen sinnlichen Pinot-Verführer in Australien gibt?! Ich bin schwer beeindruckt! Der Wein hat aufgrund seiner harmonischen Textur und guten Säurestruktur mit Sicherheit ohne Probleme das Zeug, zehn bis fünfzehn Jahre oder länger zu reifen, aber ich finde ihn bei seinem Markteintritt schon so mega umwerfend, dass sich die Frage stellt: Warum warten?

Verkostungsnotiz
97
/100

Suckling zu 2024 über: Pinot Noir Applejack Vineyard

Notably complete, with aromas of fresh flowers, cherries, wild berries, graphite, minerals, plum skins and blood orange. The palate is silken, with no hard edges, finely tuned tannins and notes of five spice and red and blue fruits, plus an herbal, savory edge. Excellent, with plenty of flair. Drink or hold. Screw cap.

Verkostungsnotiz
96
/100

Parker zu 2024 über: Pinot Noir Applejack Vineyard

The 2024 Applejack Vineyard Pinot Noir leads with its whole-bunch characters: scraped orange skin, chinotto, bitter clove, dark chocolate and star anise. In the mouth, the whole bunches serve to dry out the wine and compound the tannins, but what it does there, it balances by also contributing spice and capaciousness. In the end, this component pales in comparison to the flow of seamless fruit, which makes a significant impact. This is a powerful, lingering wine of great length and complexity. Time will smooth out the bunching tannins through the finish no doubt. 13.3% alcohol, sealed under screw cap.

Mein Winzer

Giant Steps

Nur wenige von uns verbinden Australien mit »Cool Climate«. Aber genau dafür setzt das Weingut Giant Steps in Victoria mit seinen Einzellagen »Chardys« und Pinots Maßstäbe!

Pinot Noir Applejack Vineyard 2025