Der Applejack Vineyard ist in Dichtbepflanzung auf einem Hügel mit vulkanischem Basaltuntergrund in Ostausrichtung angelegt. Das Yarra Valley zählt ohnehin zu den Cool Climate Gebieten Australiens und hier haben wir zudem eine etwas kühlere Höhenlage, die der milderen Morgensonne zugewandt ist. Die Lage allein sorgt also für extra Frische. Tendenziell wird dort circa drei bis vier Wochen später als in den Tallagen des Yarra Valleys gelesen. Nach der sorgfältigen Handlese erfolgt eine Ganztraubenpressung und der Wein gelangt direkt per Schwerkraft in große, 500 Liter fassende Puncheons aus französischer Eiche, sowie seit 2024 ungefähr 30 Prozent in Toneier. Eine ziemlich traditionell »burgundische« Herangehensweise also. Die Gärung startet mit natürlichen wilden Hefen. Um die Frische des Weins zu bewahren wird die Malo (der biologische Säureabbau) komplett blockiert. Aus demselben Grund wird auch darauf verzichtet, die Hefe in den Fässern aufzurühren – auch das ist im Burgund typisch. Der anschließende neunmonatige Ausbau erfolgt in französischen Holzfässern mit einem kleinen Neuholzanteil. Blasses, brillant leuchtendes Zitronengelb mit einem Hauch Grün und »öligen« Tränen am Glasrand. Was für eine wunderbare Nase! Insgesamt eher ultramineralisch, geradlinig und präzise – und trotz all dieser Eleganz ist der Applejack Vineyard immer gnadenlos ausdrucksstark. Konfierte Zitrone, Zitronentarte, reife, weißfleischige Birne, saftiger Pfirsich und Mirabellen paaren sich mit intensiven Noten von frischem Gesteinsmehl und dezent rauchigem, zerschlagenem Granit. Noten von Salbei und süß-würzigen, getrockneten Kräutern sowie etwas weiße Lakritze verstärken diesen salzig-mineralischen Fingerabdruck und verleihen dem Stoff zugleich extra Tiefe. Sobald sich der Wein im Glas etwas aufwärmt, kommen zart schwebende, weiße florale Noten sowie ganz samtige, braune Gewürze hinzu. Der Holzausbau ist hier in absoluter Harmonie integriert. Wow, das ist schon beim Riechen ziemliche Perfektion: Spannung, Spaß und Spiel im Glas! Der Mundeintritt hält das Versprechen der Nase. Mmmh! Er ist phänomenal intensiv und herrlich saftig. Eine extraterrestrische mineralische Spannung trifft auf die erfrischende Aromatik reifer Zitronen, viel gelbfleischige Frucht und duftend verwobene Kräuter. So eine Art Dauvissat aus dem Chablis, gepaart mit der Extra-Sonnenkraft Australiens, die zum immens saftigen Trinkfluss des Weins beiträgt. Im Nachhall bleiben Limettensalz, Zitronenabrieb und saftiger weißer Pfirsich mit einer Brise animierend bitterer Kräuter auf der Zunge. Der Stoff hat durch seine ganz zarte, perfekt eingebundene Schalenhaptik extra Tiefe. Auf den nächsten Schluck muss man garantiert nicht lange warten – der Stoff ist so gut! Der Sexton Vineyard Chardonnay von Giant Steps war bei unserer ersten Probe mit australischen Weinen vor ein paar Jahren mit Sicherheit der Wein, der verdeutlichte, dass man die große Qualität aus Down Under nicht länger ignorieren sollte. Hier gibt es momentan vielleicht eines der stäärksten PReis-Geschmack-Verhältnisse der Welt! Applejack setzt dem meiner Meinung nach sogar noch eins drauf: Der Stoff ist großartig und bringt so unglaublich viel wein ins Glas!