Georg Breuer: Riesling Lorcher Pfaffenwies 2024

Georg Breuer: Riesling Lorcher Pfaffenwies 2024

Zum Winzer

Riesling 100%
weiß, trocken
12,0% Vol.
Trinkreife: 2027–2049
mineralisch
frische Säure
Lobenberg: 96+/100
Suckling: 95/100
Falstaff: 95+/100
Galloni: 95/100
Mosel Fine Wines: 94/100
Deutschland, Rheingau
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Lorcher Pfaffenwies 2024

96+
/100

Lobenberg: Hier stehen die zweitältesten Reben von Breuer, gepflanzt in den 1960er Jahren. Vergärung und Ausbau im großen alten Holzfass, immer unberührt auf der Vollhefe bis zur Füllung. Sehr simpel, ein minimalistischer Ansatz. Der Wein ist gewissermaßen ein Zufallsprodukt, denn Theresa hat als sie 2019 die Lagen des Weingutes Altenkirch aus Lorch übernahm, nicht vorgehabt direkt einen Einzellagen-Wein zu füllen, aber dennoch hatten sich direkt im ersten Jahr die Trauben als würdiges Material gezeigt. Deshalb also seit 2019 einer neuer Lagenwein. In 2019 und 2020 war noch ein größeres Spektrum der Lage abgebildet, seit 2021 ist es wieder nur aus dem uralten Kernstück der Lange, recht weit unten am Fluss und an der Bahnlinie auf sehr kargem Schieferboden. Pfaffenwies zieht sich wie der Schlossberg vom Ufer unten bis an den Waldrand hoch, die Lage hat also in sich enorme Vielschichtigkeit der Böden und Kleinklimata, was Komplexität und Spiel in die Weine bringt. Im unteren Bereich dominiert der reinere Schiefer, weiter oben drückt sich immer mehr Quarzit in den Boden. Der Pfaffenwies hat eine wundervolle, straffe, präzise Frucht, die an Limettenzeste, milde Amalfizitrone, Hefegebäck und etwas Litschi erinnert. Die feine Agrumenfrucht zieht sich in den Mund, der Pfaffenwies ist immer ein zarter, verspielter, blumiger Riesling. Lorch ist eines der spannendsten Terroirs am Rhein, so ein bisschen Wild West abseits vom Mainstream.

Jahrgangsbericht

»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!

95
/100

Suckling über: Riesling Lorcher Pfaffenwies

-- Suckling: What a fantastic elegance this wine has, from one of the Rheingau’s least well-known top sites. Very fresh lemon, without any tartness, on the sleek and very focused, medium-bodied palate. Terrific energy at the long and pure, wet-stone finish. From organically grown grapes with Fair'n Green certification. Drink from release.

95+
/100

Falstaff über: Riesling Lorcher Pfaffenwies

-- Falstaff: Komplexer, dicht gewobener Duft mit reifem Pfirsch, Aprikose, Guave, Apfel und Apfelblüte sowie dem steinigen Geschmack der Lage. Am Gaumen ein kleines Kunstwerk, elegant und mühelos inszenierte Mineralik und feinnervige Kraft, famose Säureader, leicht salin, ein Riesling-Festspiel.

95
/100

Galloni über: Riesling Lorcher Pfaffenwies

-- Galloni: The 2024 Riesling Lorcher Pfaffenwies is from vines that are now more than 60 years old. Green melon and a touch of woodruff lend this a scented air. The palate is wonderfully direct, strait-laced and arrow-like in its precision. Stone and lemon proceed hand in hand, intertwined and inseparable. The 2024 is wonderful. (Bone-dry)

Verkostungsnotiz
94
/100

Mosel Fine Wines über: Riesling Lorcher Pfaffenwies

-- Mosel Fine Wines: The Pfaffenwies 2024, as it is referred to on the front label, is a bone-dry wine fermented and matured for 11 months in old Stückfass (1,200-liter oak barrel) and Halbstückfass (600-liter oak barrel) which will be released commercially in spring 2026. It offers a beautifully aromatic, finely perfumed, and refined nose of grapefruit zest, yellow flowers, tangerine, lavender, thyme, dill, white pepper, and iodine. The wine proves rather delicate and finely juicy on the palate, where delicate flowery flavors interplay with fresh fruits. The finish is far more focused and vibrating, with a certain lightness yet also depth and very pure notes of zesty elements. The aftertaste is still taut and salty. This is a fine aromatic, yet racy Riesling.

Mein Winzer

Georg Breuer

Bernhard Breuer zählte zu den ganz großen Vordenkern des Deutschen Weinbaus. Das eigentliche Ausmaß seines Wirkens zeigt sich erst eine Generation später. Breuer war einer, der für Deutschlands Weine lebte und deren Potenzial frühzeitig erkannte.

Riesling Lorcher Pfaffenwies 2024