Der Steinriese ist die Spitzenparzelle innerhalb der Oberbergener Bassgeige und hat sich in kürzester Zeit zu einem der begehrtesten Pinots des Landes entwickelt. Als Friedrich Keller die Lage erstmals 2018 separat abgefüllt hat, war sofort klar, dass hier etwas Besonderes entsteht. Der Steinriese besitzt innerhalb des Kaiserstuhls eine völlig eigene Handschrift. Zwar spielt Vulkan auch hier die Hauptrolle, doch der hohe Kalkanteil und die eisenhaltigen Einschlüsse verleihen dem Wein eine ganz andere Ausstrahlung als den Großen Gewächsen aus Schlossberg oder Eichberg. Kühler, heller und noch stärker von Struktur geprägt. Schon die Nase macht diesen Unterschied deutlich. Der Steinriese wirkt zunächst deutlich verschlossener als die anderen Großen Gewächse. Er gibt wenig preis und fordert Geduld. Die Frucht steht nicht im Vordergrund. Stattdessen zeigen sich Eisen, Blut, Graphit und eine fast an abgehangenes Fleisch erinnernde Tiefe. Erst langsam schieben sich rote Kirsche, Himbeere und feine Waldbeeren ins Bild. Dazu kommen Veilchen, etwas Hagebutte und eine kühle Würze. Alles wirkt unglaublich fein gezeichnet und gleichzeitig von einer bemerkenswerten Ernsthaftigkeit geprägt. Am Gaumen offenbart der Steinriese dann seine ganze Größe. Die Frucht bleibt eher auf der hellroten Seite. Sauerkirsche, salzige Himbeere und feine Waldbeeren werden von einer vibrierenden Mineralität getragen. Gleichzeitig besitzt der Wein eine Dichte und Konzentration, die man bei dieser aromatischen Zurückhaltung kaum erwarten würde. Gesteinsmehl, Kalk und Graphit legen sich über die Frucht und verleihen dem Wein eine faszinierende Tiefe. Die Tannine sind ultrafein, kommen zunächst fast unbemerkt aus dem Hintergrund und bauen dann immer mehr Druck auf. Nichts wirkt aggressiv, nichts laut. Der Wein wächst einfach mit jeder Sekunde am Gaumen. Besonders beeindruckend ist diese schwerelose Intensität. Der Steinriese besitzt Kraft, aber keine Schwere. Struktur, aber keine Härte. Die Mineralität wirkt beinahe greifbar und zieht sich wie ein dunkler Faden durch den gesamten Wein. Während Eichberg über seine Frucht und Schlossberg über seine Harmonie begeistert, fasziniert der Steinriese vor allem über seine Textur und seine innere Spannung. 2024 unterstreicht diese Sonderstellung enorm. Kühler als der Schlossberg, eisenhaltiger, kalkiger und vielleicht der strukturierte Wein der gesamten Kollektion. Ein Pinot Noir mit enormem Tiefgang, großer Präzision und einer geradezu magnetischen Anziehungskraft. Sicher einer der fesselndsten deutschen Spätburgunder überhaupt und aufgrund der winzigen Produktion gleichzeitig ein rares Sammlerstück.