Der Eichberg ist Jahr für Jahr der kraftvollste und zugleich vulkanischste Pinot bei Keller. Während der Schlossberg oft über seine Harmonie und innere Ruhe kommt, zeigt der Eichberg seine Herkunft direkter und unmittelbarer. Mehr Wärme, mehr Würze, mehr Druck. Das dunkle Tephritgestein prägt den Wein auf unverwechselbare Weise und verleiht ihm diese markante, leicht eisenhaltige Mineralität, die man blind oft sofort erkennt. Im Eichberg stehen diverse Pinot-Genetiken nebeneinander. Deutsche Klone, burgundisches Material von Rousseau und Sélection-Massale-Reben von Bernhard Huber. Alle Partien werden separat ausgebaut und erst später zu diesem großen Ganzen zusammengeführt. Rund drei bis fünf Prozent Ganztrauben sorgen zusätzlich für Spannung und Komplexität. 2024 zeigt dabei eindrucksvoll, was Friedrich Keller in den letzten Jahren stilistisch erreicht hat. Die Weine werden immer feiner, immer präziser, ohne jemals ihre Herkunft oder ihre Kraft zu verlieren. Die Nase öffnet sich deutlich zugänglicher als beim Schlossberg. Helle rote Kirschen, Walderdbeeren und rote Waldbeeren springen sofort aus dem Glas. Dazu kommen Pflaume, etwas Preiselbeere und ein Hauch von Granatapfel. Dahinter folgt die typische Eichberg-Würze. Rauch, dunkler Stein, schwarzer Pfeffer und etwas süßer Tabak verleihen zusätzliche Tiefe. Trotz seiner Wärme wirkt der Wein nie schwer. Im Gegenteil. Die Frucht besitzt eine fast schwebende Klarheit und wird von feinen floralen Anklängen begleitet. Veilchen, getrocknete Rosenblätter und etwas Kräuterwürze sorgen für zusätzliche Finesse. Am Gaumen zeigt der Eichberg sofort seine ganze Klasse. Die Frucht wirkt etwas offener und großzügiger als beim Schlossberg, gleichzeitig besitzt der Wein eine beeindruckende Konzentration. Gerade das überrascht im Jahrgang 2024 besonders. Man erwartet eher Finesse und Transparenz, bekommt hier aber zusätzlich erstaunlich viel Kern und Tiefe. Rote Kirsche, Walderdbeere, etwas Pflaume und feine Johannisbeere werden von einer dunklen vulkanischen Würze eingefangen. Die Tannine sind ultrafein und seidig, zugleich aber mit genügend Grip ausgestattet, um dem Wein Struktur und Länge zu verleihen. Der Eichberg besitzt diese wunderbare Mischung aus Hedonismus und Ernsthaftigkeit. Die Frucht verführt sofort, doch darunter liegt ein fester mineralischer Kern aus Stein, Salz und Vulkan. Alles wirkt dicht verwoben, ohne jemals schwer zu werden. Die Säure trägt den Wein mühelos über den Gaumen und sorgt für Frische und Zug bis weit in den Nachhall hinein. 2024 zeigt den Eichberg vielleicht etwas weniger wild als manche Vorgänger, dafür noch präziser und harmonischer. Die typische Wärme der Lage bleibt erhalten, ebenso die dunkle vulkanische Würze. Gleichzeitig besitzt der Wein eine tänzelnde Eleganz, die ihn ungemein attraktiv macht. Ein großer Eichberg, voller Energie, Herkunft und Charakter. Druckvoll, konzentriert und doch wunderbar fein balanciert.,