Der Schlossberg ist einer dieser Weine, bei denen man nach wenigen Sekunden nicht mehr über die Rebsorte spricht. Man spricht über die Lage. Über den Vulkan. Über dieses einzigartige Terroir am Kaiserstuhl. Genau das macht diesen Wein so faszinierend. Der Schlossberg wächst ausschließlich auf purem Tephrit, einem extrem eisenhaltigen vulkanischen Gestein. Nur die kargsten und steinigsten Parzellen schaffen es in dieses GG. Für Friedrich Keller ist der Schlossberg Jahr für Jahr der Wein mit dem eindeutigsten Herkunftsausdruck im gesamten Keller. Blindverkostet sei er meist der am leichtesten zu identifizierende Wein des Sortiments. Und genau das überrascht überhaupt nicht. 2024 zeigt sich der Schlossberg etwas offener und zugänglicher als in manchen Vorjahren, ohne dabei auch nur einen Moment seine Herkunft zu verleugnen. Die Nase startet mit gerösteten Haselnüssen, Salzzitrone und reifen gelben Trauben. Dahinter kommen Birnenschale, etwas gelber Apfel und ein Hauch von weißem Pfirsich. Doch die Frucht spielt hier nur eine Nebenrolle. Viel prägender sind diese dunklen, würzigen und steinigen Noten. Graphit, Eisen, kalter Rauch und feuchter Vulkanstein ziehen sich durch die gesamte Aromatik. Alles wirkt unglaublich eigenständig und unverwechselbar. Am Gaumen zeigt der Schlossberg sofort seine Herkunft. Druckvoll, straff und voller Energie. Die Frucht bleibt dezent und dient eher als Träger für das Terroir. Salzzitrone, gelber Apfel und etwas Quittenschale werden von einer tiefen vulkanischen Würze eingefangen. Dazu kommt diese fast eisenhaltig wirkende Mineralität, die dem Wein seine markante Handschrift verleiht. Der Schlossberg besitzt Kraft, aber keine Schwere. Konzentration, aber keine Breite. Stattdessen baut sich Zug auf, begleitet von feinem Tanningrip und einer salzigen Spannung, die bis weit in den Nachhall hinein bestehen bleibt. Besonders beeindruckend ist die Klarheit des Herkunftsausdrucks. Der Wein schmeckt nicht in erster Linie nach Grauburgunder. Er schmeckt nach Schlossberg. Nach Vulkanstein, Eisen und Kaiserstuhl. Genau darin liegt seine Größe. Die Rebsorte wird hier zum Werkzeug für das Terroir. Und was für ein Werkzeug das ist. Baden zeigt einmal mehr, warum große Grauburgunder nirgendwo in Deutschland überzeugender ausfallen als auf diesen vulkanischen Böden. Ein charakterstarker, tiefgründiger und vollkommen eigenständiger Wein. Großes Kino.,