Der Schlossberg wächst ausschließlich auf purem Vulkangestein. Nur die kargsten, steinigsten Parzellen kommen hier in Frage. Das Gestein nennt sich Tephrit, extrem eisenhaltig – das schmeckt man. Der Ausbau erfolgt in zwei großen 2.000-Liter-Fässern. Und wie jedes Jahr ist es der Wein mit dem klarsten, markantesten Lagencharakter im ganzen Keller. Laut Friedrich Keller der Wein, der sich blind am einfachsten zuordnen lässt. Und das überrascht nicht – der Schlossberg ist ein Monument, bei dem das Terroir immer lauter spricht als die Rebsorte. Genau das ist die große Kunst, die Friedrich jedes Jahr auf die Flasche bringt. 2023 zeigt sich dieser Grauburgunder noch eine Spur feiner, noch etwas präziser als im Vorjahr. Alles wirkt eleganter, ziselierter. Die Nase öffnet sich mit heller Frucht: weißer Pfirsich, Birne, etwas gelber Apfel. Dazu diese wahnsinnig steinige, fast kühle Mineralik – Graphit, Bleistift, Salz, alles sehr pur und geradeaus. Der Mund ist straff und vibrierend, irre Spannung, kristalline Frucht trifft auf dunkle, fast rauchige Vulkanmineralität. Viel Kraft, aber nichts ist fett oder breit – das bleibt immer fokussiert und druckvoll. Ein Grauburgunder mit Zug und Energie, mit Tiefe und Kraft, wie man das sonst nur selten findet. Und genau hier wird klar: Baden ist das große Grauburgunder-Terroir Deutschlands. Nirgendwo sonst zeigt sich die Sorte so vielschichtig, so seriös, so terroirgeprägt. Oft steht der Grauburgunder hier sogar über dem Weißburgunder. Wenn das Terroir übernimmt, wird die Rebsorte zum Werkzeug – genau wie es die Franzosen vormachen. Und was für ein Werkzeug das hier ist! Toller Stoff. So vibrierend, so spannend kann Grauburgunder sein. Ein echtes Erlebnis!