Der Unterschied zu anderen Barolo Altares ist, dass der Unoperuno per Hand entrappt wird und somit keinerlei Reste der grünen Stiele enthält. Bei viel Musik, Wein und guter Laune wird hier von Silvia, Elio, dem Kellermeister Tess, vielen Freunden und dem Team jede Beere, eine nach der anderen oder eben »Uno per Uno« mit der Hand abgezupft. Viel sauberer als jede Entrappungsmaschine. Eine Methode, die fast unbezahlbar ist und die im Zuge moderner Technik, wie im Weingut Giacomo Conterno, vielleicht schon fast so gut maschinell erledigt werden könnte. Aber zusätzlich wird natürlich noch einmal jede einzelne Beere in die Hand genommen, alles Unperfekte geht in den Ausschuss. Und das kann dann keine normale Entrappungsmaschine leisten, nur vielleicht die bei höchstpreisigen Weinen aus Bordeaux zum Einsatz kommende, ultra teure optische Laser-Sortiermaschine oder das Gerät von Château Ausone, das mit Zuckerwassermessung funktioniert. Bei der Lese 2025 wollte Silvia Altare diese krasse Methode nochmals auf den Prüfstand stellen. Der Versuch »Maschine gegen Hände« wurde gestartet indem ein Teil jeder Parzelle von Maschinen und ein Teil wie gewohnt von Hand abgebeert wurde. Ihrer Meinung nach sind aromatisch die Hände immer noch vorne, denn keine bezahlbare Maschine kann das so genau aussortieren. Der Wein wird bedeutend klarer und feiner. Der Uno per Uno besteht immer aus vielen der besten Lagen des Hauses: Cannubi, Cerretta und Arborina und Trauben der Cru Lage Sorano aus Serralunga, die zu mehr Druck beiträgt in diesen ansonsten durch die Bereitung schon superweichen Wein. Die allerbesten Trauben jeder Lage werden dafür genommen und Silvia holt diese seit dem Jahrgang 2010 (der allerdings nicht auf den Markt gebracht wurde) tatsächlich in kleinen Eimern, separat aus jedem Weinberg. Es werden sage und schreibe fünf Lese-Durchgänge (!) gemacht. In offenen, stehenden Barriques werden die unverletzten Beeren aus der händischen Entrappung vergoren und dann regelmäßig mit dem Stößel runtergedrückt und angequetscht. Anschließend wird der Unoperuno, wie alle anderen Weine bei Altare, im Barrique ausgebaut. 2022 gibt es gerade einmal drei Barriques (900 Flaschen), eines davon war neu. Fünf komplette Tage lang wurden mit zehn Leuten pro Tag 15-16 Kisten abgebeert. Seit dem Jahrgang 2024 vergärt Silvia übrigens aus reiner Kuriosität jede Lage separat. Der finale Blend wird dann erst nach dem Ausbau gemacht. Zartes, leuchtendes Rubinrot mit einem Hauch Orange. Die Nase ist momentan noch etwas schüchtern. Dieser junge Wein wurde erst vor wenigen Monaten im Juli 2025 abgefüllt und benötigt noch ein paar Monate, um alle Komponenten harmonisch zu integrieren. Dennoch gibt der Wein schon wunderbare, beinahe mystische Aromen tiefer Kräuter und schwebende Noten von Teer, duftender Vanille auf weißem Pfirsich und etwas Bitterorangenschale bei. Die intensive, salzige Mineralität knistert über der wollüstig saftigen, reifen roten Kirsche. Im Mund ist der Unoperuno herrlich reichhaltig, samtig, verführerisch und tiefgehend. Trotzdem ist dieser Wein zugleich der Inbegriff der Zartheit! Die wunderschöne Spannung mit etwas Mahagoni und viel brauner Gewürze schiebt mit unglaublicher Power über die Zunge. Dabei hat der Wein eine Präzision mit salziger, knackiger Säure, roten Johannisbeeren und knallroter Frucht, die mich total erstaunt. Dieser Stoff soll aus einem heißen und trockenen Jahrgang kommen?!? Das ist beinahe unvorstellbar bei so viel genialer, ja sogar perfekter Präzision! Die vielen Tannine sind im ersten Moment samtig, beinahe unscheinbar, doch bauen sich in diesem jungen Wein wie die Eisenhand im Samthandschuh auf der Zunge um kurze Zeit später von dieser monumentalen Welle saftiger roter Kirschen weggespült zu werden. Dieser Wein hat außer seinem immens druckvollen Körper aromatisch wirklich keine Anzeichen von zu viel Sonne oder Hitze. Die Aromen sind auch im Nachhall rotfruchtig und präzise, salzig, mit einer Mischung aus roten und blauen Blüten und einer zarten Spur bitterer Kräuter. Silvias Vosne-Romanée! Leider gibt es wie gesagt gerade mal 900 Flaschen und der Wein wird wie jedes Jahr wieder streng zugeteilt sein.