Für die restsüßen Weine wendet Ernie seit geraumer Zeit ein Verfahren an, dass er Teabag-System nennt. Also eine Infusion von ganzen Beeren wie bei einem Teebeutel. Dazu werden ungefähr 10 Prozent ganze Trauben in die Tanks gegeben, dann kommt der frische Traubenmost drauf und die Spontangärung beginnt. Anschließend wird der Wein von den Trauben abgestochen und ins Holz gegeben zur Lagerung. Ernie geht immer mehr zurück auf Holz, für die GGs sowieso, aber nun auch für die Prädikate. Die Prälat-Auslese gibt es überhaupt nur als Goldkapsel. Das hat aber keinerlei Aussagekraft in Bezug auf den Botrytisanteil, denn in 2024 gab es nicht viel und auch hier ist nicht viel enthalten. Es ist dennoch die Turboversion einer Auslese aus über 100 Jahre alten, wurzelechten Reben in Einzelpfahlerziehung. Das Ganze wird an einem Tag selektiv geerntet mit dem gesamten zur Verfügung stehenden Lese-Team. Das GG und diese Auslese werden stets gleichzeitig geerntet. Die Botrytis und überreife Trauben für die Auslese GK und die perfekte Reife für das GG werden in getrennten Behältern gesammelt. Ein irrer Aufwand und eine verrückte Kletterpartie an einem der steilsten Hänge der Mosel. Die Nase des 2024ers ist kühl und steinig, Zitronenverbene, Orangenblüte, reife Grapefruit, ein bisschen grüne Olive. Eine Orgie des Rieslings, alle Fanfaren wehen, das volle Orchester spielt, aber es spielt etwas leiser als 2023, ist feiner und straffer gezeichnet. Ich mag das sehr. Selbst in dieser Prälat GK ist es tänzerisch und frisch, bei aller Komplexität ein famoser Trinkspaß, der keine 20 Jahre weggesperrt werden muss, sondern direkt voll da ist und animiert. 97-99/100