Der Rappenecker ist die kühle Seele des Winklerbergs – eine Lage, die durch ihre Höhenlage, den Wald im Rücken und die südwestliche Exposition einen ganz eigenen Charakter entfaltet. Vulkanischer Untergrund, durchzogen mit Kalkadern, bepflanzt mit alten deutschen Klonen, 50 bis 60 Jahre alt, dicht gesetzt mit 7.000 Stöcken pro Hektar. Vergoren in offenen Holzbütten, Kaltmazeration, der Rappenanteil auf ein Minimum reduziert, Ausbau im Barrique, heute mit spürbar reduzierten Neuholzanteilen. In der Nase zeigt der Wein sofort seine Tiefe: dunkle und rote Kirschen in satter Intensität, dazu Pflaume und Maulbeere, unterlegt von Blutorange, einem Hauch Lakritz und feinen Kräuternoten. Eine kühle Ader zieht sich durch das Aromenspektrum, unterstützt von mineralisch-kalkiger Würze und einem Hauch Feuerstein. Das Holz wirkt wie eine noble Patina, sanft verwoben und dienend. Am Gaumen dann diese wunderbare Spannung: einerseits dichte, hedonistische Frucht, vollreif und saftig – Kirsche, Himbeermark, Pflaume –, andererseits salzige Spannung, kalkiger Grip und eine klare, kühle Struktur. 2022 war ein Jahr dichter Konzentration und grandioser Reife: reich, üppig und doch nicht fett, getragen von voller, reifer Tanninstruktur und enormem Fruchtdruck. Genau das strahlt der Rappenecker aus – intensiv und kraftvoll, aber immer präzise, immer in Balance. Das Finale ist lang, druckvoll und salzig, getragen von reifer Kirsche und feiner Kräuterwürze. Der Rappenecker 2022 ist vielleicht der geheimnisvollste Spätburgunder aus Hegers GG-Kollektion: erhaben, dunkel, saftig und mit vibrierender Frische ausgestattet. In seiner Spannung, Dichte und Eleganz erinnert er fast an die großen Crus aus dem Burgund – an einen Clos de la Roche oder Corton – nur eben mit Kaiserstuhl-Signatur.