Der Häusleboden ist für mich seit jeher der strahlendste, erhabenste Grand Cru von Heger – immer mit einer fast aristokratischen Eleganz, tief und komplex, aber gleichzeitig von tänzelnder Feinheit getragen. Ein Weinberg mit Geschichte: 1956 gepflanzt, die ältesten Spätburgunder-Reben am Winklerberg, eine Sélection Massale direkt aus dem Clos Vougeot Grand Cru.,Im Keller wird mit viel Fingerspitzengefühl gearbeitet: Kaltmazeration, spontane Vergärung in offenen Holzbütten, nur wenige Ganztrauben. Der Ausbau im Barrique wirkt inzwischen deutlich filigraner, seit Rebecca Heger ab 2020 die Neuholzanteile zurückgenommen hat. Eine Entscheidung, die die Handschrift des Hauses spürbar verfeinert und der Persönlichkeit des Häuslebodens enorm zugutekommt. 2022 war ein Jahr der Dichte, Reife und Konzentration, aber auch von großer Saftigkeit und Hedonistik. Die Weine zeigen volle, reife Tannine, sind kraftvoll, ohne jemals überladen zu wirken. Die Nase des Häuslebodens 2022 ist betörend: einerseits kühl und fast ätherisch, andererseits von aromatischer Wucht getragen. Dunkle und rote Kirsche, Sauerkirsche, Schwarzkirsche, dazu feine Veilchennoten, Himbeere, ein Hauch Grapefruitschale, Minze. Darunter liegt eine mineralische Tiefe: Gesteinsmehl, zerstoßener Kalk, eine Spur Feuerstein. Ein Duft von ungeheurer Komplexität und erhabener Präzision. Am Gaumen dann die pure Saftigkeit: dichte, alles umhüllende Kirschfrucht, die sich zart und fein entfaltet. Sauerkirsche und Schwarzkirsche im Wechselspiel, gesalzene Himbeere im Kern. Feine, reife Tannine tragen den Wein mit Leichtigkeit, nichts wirkt beschwerend. Rebecca Hegers sanftere Vinifikation bringt hier die pure Finesse zum Ausdruck: beschwingt, tänzelnd, mit vibrierender Energie. Ein Spätburgunder von fast mystischer Komplexität – kühl, konzentriert, elegant und doch mit überwältigendem Fruchtdruck. Das ist aristokratische Größe, Burgund in der Seele, Kaiserstuhl in der Substanz. Der Häusleboden zeigt 2022 eine beeindruckende Balance aus Kraft und Finesse – und bestätigt einmal mehr, dass Heger im deutschen Pinot ganz oben mitspielt.