Rund 40 Prozent sind im Barrique vergoren und ausgebaut, davon ist ungefähr die Hälfte neu. Keines der Fässer hat eine Malo gemacht, das hat die schicke Säure erhalten. Das steht dem Wein sehr gut, gibt ihm einen burgundischen Schliff, aber das Holz dominiert keineswegs, es ist fein eingebunden und bleibt im Hintergrund. Probiert man diesen Wein von über 40 Jahre alten Reben aus den besten Weinbergen der Domaine J-M Roger, erschließt sich einem der große Schatz Sancerres ohne Umschweife, denn die Mineralität ist klar die große Dominante in diesem Wein. Kalkige Kieselsteine überziehen die Einzellagen der Heimatgemeinde Bué und verleihen dem Wein diese Intensität und geradezu strahlende Mineralkraft. Der Côte de Bué liegt auf einem Tonboden, wohingegen der Grand Chemarin vom Kalkstein kommt. Langer Ausbau auf der Hefe, der hilft, diese hohe Mineralität zu verdauen. 2020 war ein unheimlich heißes Jahr. Die Roger’s haben kaum früher gelesen - sowohl im Jahr als auch am Tag. Die Nase ist unheimlich expressiv! Marillenröster, Bitterlemon und nasser Kalk. Total geschliffen und mit präziser Frucht. Fast ein wenig ölig in der Nase, die von der Salzigkeit aber im Rahmen gehalten wird. Die straffe Säure geht eher in die von süßen Amalfizitronen oder gegrillten Zitronen. Im Mund kraftvoll und drückend. Dabei total ausgeglichen und mit tiefer Mineralik. Trotz dieses heißen Jahres vermisst man hier nichts: keine Säure, keine Trinkfreude. Ein ganz klassischer Sancerre, nicht so stylisch wie Vacheron und weniger schräg als Gaudry, einfach balanciert in der Mitte liegend.