Lobenberg: 2021 war Chablis extrem von Frost getroffen, der Sommer war kühl und eher regnerisch. Ein klassisches Oldschooljahr, ähnlich zu 2010 oder 2014. Leider verschwindend geringe Mengen. Die Domaine hat hier einen guten Besitz von über 2 Hektar auf vier Parzellen verteilt. Die Parzellen laufen von der Straße am Auslauf der Lage bis hoch an den Waldrand, decken also die komplette Breite der Lage ab und geben somit ein sehr balanciertes und komplettes Bild des Weinberges. Aus uralten, über 60 Jahre alten Reben. Ausbau zu einem Großteil in Halbstückfässern, die etwas Würze und Dichte geben. Der Powerjahrgang hat das einfach hergegeben, der Holzanteil ist in vielen Jahren geringer. Wunderbare Feuerstein-Nase mit einem ganz leichten Anflug tropischer Zitrusfrucht. Extrem delikat und verführerisch. Mangoschale und Maracuja, ein bisschen Kiwi, auch Mandarine und etwas kandierter Ingwer. Hohe Reife und Konzentration andeutend, aber trotzdem auch ganz klassisch, kühl und steinig bleibend. Fast cremige Konsistenz im Mund, die hohe Reife steht dem Wein sehr gut, ein bisschen warme Zitrusfrucht, Grapefruit, rote Johannisbeere, dann langsam in schlankere weiße Frucht übergehend. Gerösteter Sesam und Orangenzeste im mineralischen, aber gar nicht einschneidend oder aggressiven Finale. Nur fein, reif und genial balanciert. Schmeckt fast schon zu gut, man will gar nicht warten, aber zwei Jahrzehnte macht dieser Wein im Keller locker. Eine tolle Persönlichkeit mit viel Ausdruck, weil er sowohl charmanten Schmelz als auch eine spannende, fast exotische Frucht hat und weniger extrem und pur ist in seiner Art als etwa der 1er Cru Fourchaume oder Montee de Tonnere. 95/100