Christmanns Schlössel ist für mich häufig einer der »Best-Buys« schlechthin. Eine Erste Lage, die immer ein wenig im Schatten der GG steht – zu unrecht, wie dieser grandiose Jahrgang wieder einmal beweist! Der Schlössel liegt genau zwischen den beiden Paradelagen Idig und Meerspinne und zeigt auch Charaktereigenschaften dieser beiden Lagen. Nicht ganz so druckvoll und tief wie wie der Idig, nicht ganz so kühl und dramatisch wie die Weine aus der Meerspinne – eher ein feines, balanciertes Zwischending. Knapp 25 Jahre alte Reben, die aber erst 2017 auf Spätburgunder umveredelt wurden. Dementsprechend gibt es diesen Wein erst seit dem Jahrgang 2019 und ich finde, dass er von Jahr zu Jahr nur besser wird! Satte Schwarzkirsche wird von einer Wolke aus feinem Rauch und kühlen Einschüben begleitet. Feine Blüten, dazu kommen Zwetschge, etwas Blaubeere und reife Himbeere. Süße und Frische zugleich in einer wunderbaren Harmonie. Warmes Jahr = eindimensional und fett? Fehlanzeige! Hier im Schlössel zeigt sich wieder einmal das Können von Sophie Christmann, gepaart mit dem einzigartigen Mikroklima dieser Lage. Im Mund dann unheimlich seidig mit reifen, aber präsenten Tanninen. Herzkirsche mit feiner Würze von Rosa Pfeffer, dazu heller Kakao, feine Minze. Sehr elegant mit guter Struktur und Spannung in der Mitte. Leichtes Salz bleibt noch lang auf der Zunge, die feine Kirschsüße bis in den langen Nachhall. Ein filigraner, kühler Stil, der aber eben auch mit schöner Extraktsüße unterlegt ist, nicht karg, nicht extremistisch, nur feingliedrig und schwebend. Die sehr feine Tanninstruktur fügt sich nahtlos ein, packt aber schon nochmal zu im Nachhall. Schlössel sollte man im Auge behalten, das ist wirklich klasse!