Nach dem fast dramatisch-kargen 2024er zeigt sich die Lage 2025 von einer etwas großzügigeren, dabei aber keineswegs weniger beeindruckenden Seite. Die Meerspinne ist der historisch beste Teil des Mandelgartens und seit jeher eine der großen Kalklagen der Mittelhaardt. Massiver Kalkfels im Untergrund, darüber kalkhaltiger Löss und Buntsandstein. Rund 30 Jahre alte Reben, biodynamisch bewirtschaftet und mit extrem niedrigen Erträgen in diesem Ausnahmejahr. Wie gewohnt schreit die Nase zunächst förmlich »Kalk!«. Gesteinsmehl, Kreide und eine kühle Meeresbrise steigen aus dem Glas. Doch 2025 besitzt mehr Fruchtfülle als die Vorjahre. Gelbe Mirabelle, reife Zitrone, Orangenschale und etwas Weinbergspfirsich treten nach und nach hervor. Dazu Fenchelgrün, etwas Salzteig und eine feine rauchige Spannung. Die Aromatik wirkt wärmer und offener als 2024, bleibt aber vollkommen terroirgeprägt. Am Gaumen dann die typische Meerspinnen-Performance. Druckvoll, salzig und unglaublich konzentriert. Die Lage zeigt ihre ganze kalkige Wucht. Reife Zitrusfrucht, etwas Ananas, gelbe Pflaume und kandierte Orangenschale werden von einer vibrierenden Mineralität getragen. Der Wein läuft wie ein Laser über den Gaumen, besitzt aber gleichzeitig deutlich mehr Extraktsüße und Charme als in den kühleren Vorjahren. Die Textur wirkt dichter, fast cremiger, ohne jemals ihre Präzision zu verlieren. Beeindruckend ist diese Kombination aus Kraft und Kühle. Die Lage zeigt ihre ganze salzige Dramatik, wirkt dabei aber erstaunlich ausgewogen und harmonisch. Die Länge ist gewaltig, der Nachhall geprägt von Kalk, Salz und feiner Zitruswürze. Ein großer Terroirwein mit enormem Entwicklungspotenzial. Die vielleicht charmanteste und gleichzeitig konzentrierteste Meerspinne, die Christmann bislang erzeugt hat.