Während 2013 in Bordeaux ein schwieriges Rotweinjahr war, war es stellenweise – wie so häufig – für die Weißen ein echter Volltreffer. Château Olivier hat damals einen der besten Blancs dieses Jahrgangs erzeugt: kühl, straff und mit enormem Zug. Heute, nach mehr als einem Jahrzehnt Flaschenreife, ist er genau dort angekommen, wo weißer Bordeaux so richtig spannend wird. Die jugendliche Dramatik ist feiner geworden, die Energie aber komplett erhalten. In der Nase zunächst Zitronenöl, kandierte Limettenschale, dazu gelber Apfel und saftige Birne. Mit Luft wird der Wein immer komplexer und zeigt eine wunderbar feine Exotik: ein Hauch grüne Mango, reife Maracuja und etwas getrocknete Ananas, aber niemals plakativ oder süßlich. Dazu kommen geröstete Mandel, Cashew, etwas Bienenwachs und eine zarte, fast cremige Nussigkeit. Zitronenverbene und ein Hauch Kamille bringen die typische Kräuterwürze, darunter liegen warmer Stein, feiner Rauch und eine kühle maritime Note. Das ist klar gereift, aber überhaupt nicht müde – vielmehr tief, nobel und wunderschön verwoben. Am Gaumen zunächst geschmeidig und cremig, dann zieht die Säure den Wein sofort wieder straff. Gelbe Zitrusfrucht und Exotik treffen auf salzige Mineralität, geröstete Nüsse und eine herbwürzige Zestigkeit. Der Sémillon sorgt heute für Schmelz, Tiefe und diese feine wachsige Textur, während der Sauvignon Blanc weiterhin Frische und Spannung liefert. Das Holz ist sehr im Hintergrund, alles greift ineinander. Im langen Finish bleiben grüner Apfel, Grapefruit, Salzmandel und ein Hauch Kräuter und Bienenwachs. Ein grandios gereifter Pessac-Léognan Blanc, der jetzt richtig viel zeigt: exotischer und feiner als in seiner Jugend, zugleich salzig, straff und voller Energie. Im optimalen Trinkfenster angekommen, aber dank seiner lebendigen Säure und mineralischen Spannung noch lange nicht am Ende. 2013 ist hier ganz klar ein fantastischer Geheimtipp zu einem unschlagbaren Preis.