Der Ertrag lag 2022 bei nur 25 Hektolitern. Insgesamt nur 9.000 Flaschen Produktion. Die Assemblage besteht aus 60 Prozent Cabernet Sauvignon und 40 Prozent Merlot. Der Alkoholgehalt liegt bei 13,5 Volumenprozent. Die Nase ist archetypisch für genau diesen Teil von Saint Estèphe – schwer zu entscheiden, ob es mehr Phélan- oder Calon-Ségur ist. Wahrscheinlich ein bisschen mehr Calon. Diese unglaublich dichte, spannungsgeladene reiche Nase mit Brombeere, Cassis, Lakritz und Maulbeere. Dazu Wacholder, Lavendel und Veilchen. Sehr dicht, sehr intensiv, sehr viel Spannung austragend! Mineralien ohne Ende – das ist schon ziemlich druckvoll und vor allem schwarz. Der Mund kommt dann zwar mit der gleichen Schwärze, den gleichen Früchten und Mineralien, Salz und einer leichten Schärfe rüber, aber er ist unendlich fein. Das ist pure Seide… So geschliffen, so poliert! Er hat ein bisschen Schlehe, auch Orangenzesten und pinke Grapefruit. Tolle Säure, tolle Frische und viel Salz. Aber die Grundstruktur sind ultrafeine, seidige Tannine. Eine tänzelnde Faust im Samthandschuh mit viel, viel, viel Grip im Nachhall. Toller Trinkfluss! Der Wein steht für Minuten und rollt mit Schlehe, roter Johannisbeere und Chilischärfe wieder hoch. Viel Salz, viel Grip, viel Power bei all der Samt und Seide. Der Wein packt schon auch ziemlich zu und hat etwas Maskulines – das ist eindeutig der Stil von Calon-Ségur. Großer, typischer Saint-Estèphe. *** Der Besitzer ist Vincent Ginestet, die dritte Generation der früheren Eigentümer von Château Margaux, also hochwohlgeboren. Die Domaine hat er 2017 von den biodynamisch arbeitenden Claire und Gonzague Lurton gekauft, die Besitzer von Ferrière und Haut Bages-Libéral sind. Das Weingut liegt exakt zwischen Phélan-Ségur und Calon-Ségur. Viele Parzellen überschneiden sich, einige liegen auch innerhalb der Rebberge der beiden Nachbarn. Das Terroir ist Kalkstein mit einer Auflage von Lehm- und Kies. Also perfekte Voraussetzungen in trockenen Zeiten. Durch die Flussnähe immer gut mit Feuchtigkeit versorgt. Die maximale Gesamtproduktion liegt bei unter 20.000 Flaschen. Vincent hat gewaltig in die Weinberge investiert, die mit 9 Hektar aus ganzen 60 Parzellen bestehen. Dort stehen 60 Prozent Merlot und 40 Prozent Cabernet Sauvignon. Aber die Assemblage im Erstwein ist 60/40 zu Gunsten von Cabernet. Die Weinberge sind extrem dicht gepflanzt mit 9.500 Reben pro Hektar. Extrem kleine Bunches und noch kleinere Beeren, das Ganze läuft auf 250 Gramm pro Rebstock hinaus. Die Reben sind im Durchschnitt 40 Jahre alt, einige gehen jedoch auf die 100 Jahre zu. Gelesen wird in kleinen Körben, die Trauben werden im Keller komplett entrappt, über Rütteltische extrem selektiv ausgelesen und nach der Vergärung in einer Korbpresse abgepresst. Der Ausbau geschieht zu 40 Prozent in neuem Holz und zu 60 Prozent in zwei und drei Jahre alten Fässern. Hier wird insgesamt biodynamisch gearbeitet, auch wenn es noch nicht zertifiziert ist. Beraten wird das Weingut von Eric Boissenot, der auch Calon-Ségur berät – gleiches Team, gleiche Leute, deshalb vielleicht auch – neben dem Terroir – die gewisse Ähnlichkeit.