Mini-Parzelle mit nur 1,42 Hektar, ohnehin immer sehr niedrige Erträge um 30 hl/ha, aber 2025 mit nur 19 hl/ha nahezu historisch niedrig. Das ist der Trockenheit und der moderaten Blüte geschuldet: winzige Beeren, extrem dicke Schalen, dafür enorme Konzentration. Komplett entrappt, Densimetrik-Wasserbad, Spontane Vergärung, sehr lange Maischestandzeit von 26 Tagen, aber bewusst extrem sanft gearbeitet, um aus diesem dichten Material keine harten Tannine zu ziehen. Ausbau in 70% neuem Holz und 30% einjährigen Barriquen. 14% Vol. Alkohol. Das Terroir liefert den Gegenpol: dünne Auflage über purem Kalkfels. Genau das bringt diese kühle, kalkige Spannung, die den Wein trotz aller Dichte straff und pikant hält. In der Nase dann direkt ein Wow-Moment: Tief, dunkel, fast schwarz. Schwarze Lakritze mit orientalischen Gewürzen, dazu diese intensive Cassisnote, reife schwarze Johannisbeere, Brombeere und Schlehe im Wechselspiel. Maulbeere, etwas Blaubeerschale. Das hat richtig Wucht, aber nichts wirkt schwer. Dahinter diese kühle Frische: fast mentholig, kombiniert mit dunkler Schokolade, ein Hauch After Eight. Dieses Spiel aus kühler Frische und satter, reifer Frucht ist schon ziemlich beeindruckend. Am Gaumen dann voll da: satter Druck aus der Mitte, viel Saft, viel Material. Die Frucht ist dicht, fast cremig, mit feiner, perfekt gesetzter Süße. Gleichzeitig legt sich das feine Tannin wie ein samtig-kalkiger Mantel über den gesamten Gaumen – massig vorhanden, aber durch die sanfte Extraktion total geschliffen, nichts Hartes, nichts Trocknendes. Immer wieder diese salzige Lakritz-Note, die Grip gibt und den Wein nach hinten raus zieht. Das bleibt alles unglaublich saftig, nichts kippt ins Breite. Trotz der Konzentration hat der Wein Zug, Spannung und eine kühle Linie. Ein großer Clos Saint-Julien mit richtig Power, aber eben kontrolliert und präzise. Hohe Intensität, viel Tiefe, dabei elegant geführt – das ist schon ziemlich großes Kino aus diesem Kleinod mitten in Saint-Emilion.