50 Prozent Merlot und 50 Prozent Cabernet Franc. Satte, fast scharfe Nase ob dieser hohen Intensität. Schwarze Lakritze und Veilchen, ganz viel Druck ausstrahlend. Dahinter feine Schwarzkirsche, dicht und reich, fast fett. Üppig, aber nicht so üppig wie Petit Gravet Ainé aus fast reinem Cabernet Franc. Trotzdem eine Wuchtbrumme in Exotik, mit Orangenschale und Maracuja. Der Wein ist im Mund elegant, dicht und reich. Vielleicht nicht so ein Kracher wie der Petit Gravet Ainé, aber sehr klassisch und dabei mit gutem Schliff. Die Tannine sind fein, der Wein unglaublich lang. Wenn man bedenkt, dass es ja der untere Hang auf reinem Kalkstein unterhalb von Clos Fourtet ist, dann weiß man, wo wir hier in Sachen Stilistik ungefähr sind. Das ist schon verdammt viel Wein für einen sehr akzeptablen Preis, vergleichen mit den Superstars. Tolles Ergebnis! *** Clos Saint Julien ist das vierte Weingut von Cathérine Papon-Nouvel, der bekannten Biodynamikerin mit ihren vier winzigen Weingütern in Saint-Émilion und Castillon. Ab 2022 ist Clos Saint Julien ein Grand Cru Classé. Das gibt einen riesigen Ansehensschub, auch wenn sich der Wein deshalb natürlich nicht ändert. Das Weingut liegt komplett auf massivem Kalkstein direkt am Eingangskreisel von Saint-Émilions Plateau. Die Reben sind zwischen 40 und 80 Jahre alt. Es gibt nur 1,5 Hektar in extremer Dichtpflanzung und nur 7.000 Flaschen insgesamt. Unter dem Kalkstein, auf dem die Reben stehen, ist ein Höhlengewirr, das direkt in die Stadt führt. Also reiner Fels. In dieser extremen Art gibt es das fast nur auf Clos Fourtet und Clos Saint Martin. Cathérine Papon-Nouvel sortiert seit 2017 mit der von Château Ausone zuerst praktizierten Zuckerwasser-Sortierung. Nach kompletter Entrappung wird noch einmal nachsortiert, nur total cleane Beeren kommen in diese Lösung. Die Zuckerwasser-Konzentration entspricht dabei exakt dem des Safts vollreifer, gesunder Beeren. Das Ergebnis: In diesem Wasserbad sacken nur die reifen Beeren herunter, die man optisch von den etwas unreiferen nicht unterscheiden kann. Die unreifen Beeren bleiben auf der Oberfläche schwimmen und können abgeschöpft werden. Anschließend laufen die gesunden Beeren natürlich vor der Vergärung durch Klarwasser. Erst nach der Trocknung werden sie in die Vergärung gegeben. Der Wein wird spontan im Edelstahl vergoren und für 22 Monate in 70 Prozent neuen und 30 Prozent gebrauchten Barriques ausgebaut.