Böhlig muss man eigentlich blind probieren, oder zumindest in einem anderen Kontext. Ich bin mir ziemlich sicher, dass man diesen Wein ohne Probleme auf die GG-Prämiere in Wiesbaden schmuggeln könnte, und er würde viele große Gewächse alt aussehen lassen. Es ist sicherlich der Premier Cru, der am ehesten an Grand Cru heran reicht. Ja, in vielen Fällen sogar Grand Crus schlagen kann. Sogar im Alter, denn der Böhlig kann genial reifen. Zwanzig oder mehr Jahre sind in guten Jahren überhaupt kein Thema für diesen Wein. Böhlig ist die persönliche Lieblingslage von Kellermeister Nicola Libelli. Absolut nachvollziehbar, denn bei Bürklin schielen natürlich viele immer auf die großen Namen wie Kirchenstück, Pechstein, Gaisböhl und Co, aber dieser Premier Cru fliegt eben unter dem Radar, hat aber so viel Potenzial. Eine reine Kalklage und genau so präsentiert sich der Wein dann auch im Glas. In der Nase zeigt er sich norm steinig mit Noten von regennassem Kalkstein, Muschelschale und zart rauchigen Feuerstein-Anklängen. Darunter zunächst noch sehr von der Hefe geprägt mit einer schicken Sauerteig-Aromatik. Mit etwas Luft kommen gelbe Birne, Quitte und etwas Kumquat dazu. Insgesamt etwas gelber, druckvoller und dichter als das Gerümpel. Eine klassische Kalknase mit dichter, fein verwobener Frucht. Der Kalkboden strahlt fast, auch am Gaumen. Hier haben wir eine immense Spannung und ordentlich Musik drin. Gesalzene Zitrusfrüchte mischen sich mit Gesteinsmehl und saftigen Noten von Quitte und Marille. Wow, was für ein Druck, was für eine Purisitk trotz diesem saftigen Unterbau. Der Wein hat schon fast etwas burgundisches, Saint-Aubin Höhenlage oder vielleicht Chablis. Das ist wie Steine lutschen. Sanfter Tanningrip bei beeindruckender Länge. Das ist eben die einzige wirklich echte Kalklage bei Bürklin Wolf und diese Dramatik strahlt sie auch. Saftige, milde Zitrone, Orangenschale, drückende, aber ganz schlanke Grapefruit im Nachhall. Die Stilistik, die Bürklins genialer Kellermeister Nicola Libelli hier seit einigen Jahren etabliert hat wird immer feiner, pointierter, fokussierter. Kompromisslos gut und eben locker auf GG-Niveau.