Da der Ertrag bei Bischel doch niedriger war als zunächst gedacht, ist die Reife galoppierend fortgeschritten nach dem warmen Sommer. In Bingen gab es noch dazu etwas Hagelschlag. Die Trauben haben zwischen 12.5% und 13% vol. natürlichen Alkohol erreicht, also schon ziemlich satt. Während 2024 um jedes Grad Oechsle gekämpft werden musste, sind die 2025er also vollreif und intensiv. Sie sind etwas exotischer und deutlich aromatischer als 2024 mit cremiger Geschmeidigkeit. Die Reben sind knapp 50 Jahre alt und stehen in der Laurenzikapelle auf purem Kalkstein. Ausgedehnte Maischestandzeit, dann im Edelstahl spontan vergoren und ausgebaut. Entsprechend haben wir hier schon eine sehr interessante Scheurebe im Glas, die mir unglaublich viel Spaß bereitet. Die Nase ist eher im mineralischen Spektrum angesiedelt und hat wenig zu tun mit den Aromabomben aus dieser Rebsorte, da sind wir weit darüber hinaus mit dieser Scheurebe. Weiße und schwarze Johannisbeere, Holunderbeere, rote Stachelbeere, aber eben alles nur in Nuancen und reduziert ausgedrückt. Das ist keine Aromenbombe, nichts Überbordendes oder Süßes, sondern guter Kalkstein-Zug. Dieser Stoff trinkt sich fast von alleine. Das ist ja nicht nur ein Stück rheinhessische Regionalidentität, sondern auch einfach ein großer Spaß im Glas.