Giachini ist eine etwas über 2 Hektar große Lage, die direkt neben der Toplage Rocche liegt. Also warme Südexposition auf kalkreichen Tonböden. Eine Traumlage, welche die Corinos schon ewig bewirtschaften, aber leider nie kaufen konnten. Uralte Reben im Besitz der Kirche. Aber Langfrist-Pacht geht ja eben auch. In warmen Jahren ist Giachini das Flagship von Corino, obwohl er ja auch Arborina hat. Aber sein weicherer, charmanterer und schwarzfruchtig samtiger Arborina kann für mich in normalen, warmen Jahren qualitativ nicht an seinen strukturierten, rotfruchtigen Giachini heran. In dieser Lage Giachini tummelt sich sonst nur Elio Grasso, Revello und eben Corino. Deshalb wird diese Lage mangels Verbreitung nie so berühmt werden wie die gleichwertige Nachbarlage Rocche, obwohl sie es qualitativ eigentlich verdient hätte. Giachini ist mein Lieblingswein bei Corino, weil er die Weichheit und die Samtigkeit des La Morra Barolo hat und gleichzeitig so einen würzigen Kick mit Grip. Die Trauben werden in Rotations-Stahltanks vergoren und anschließend weiterhin im Stahltank bis zur Malo ausgebaut. Während der Malo wird die knackige Apfelsäure im Wein in die mildere Milchsäure umgewandelt. Anschließend zwei Jahre lang im Barrique ausgebaut, davon waren 35 Prozent neu. Reichhaltige, reife, tiefe, würzige Nase. Schwarzkirschen, Brombeeren und sogar ein Hauch Cassis und Himbeerlikör. Aller Frucht voran hat der Wein eine wunderbare sanfte Erdigkeit. Duftiger Waldboden, mit gefallenem Herbstlaub, ätherische Kräuter, rostiges Eisen und süße Vanille-Würze. Ein Wein der mich sofort in seine kräftigen, samtigen Arme aufnimmt. Im Mund ist das eine Bombe! Körperreich, dicht mit intensiver, saftiger Frucht. Dabei sind die Tannine fein strukturiert, griffig und mit einer faszinierenden, singenden, beinahe vibrierenden Frische balanciert, die ich so beim Reinriechen gar nicht erwartet hätte. Schwebende, ätherische Kräuter legten sich über die eingekochten Kirscharomen, Blaubeeren, einen Hauch Vanille, Milchschokolade, und ein Hauch Lakritz klingen nach. Der Holzausbau ist harmonisch eingebunden, der reichhaltige Jahrgang schluckt es einfach. Dieser Giachini ist charmant und komplex. Ein Spaßwein, der aber zugleich wahre Größe hat. 2020 ist schon fast im Trinkfenster – Corino hat dieses Jahr ein hervorragendes Programm abgefüllt! 96/100