2008 erst entstand der Traum DEN besten Wein Asiens entstehen zu lassen. Niemand geringeres als der von LVMH finanziell massiv unterstützte Önologe Dr. Tony Jordan machte sich auf die Suche nach dem perfekten Terroir und Kleinklima. In Yunnan, einer Hochland-Reisregion mit sagenhaften, spektakulären Terrassen, genug Wasser, reinem Kalkstein mit Granit und gutem Tag-Nacht-Temperaturunterschied, wurde er fündig. Shangri-La, die sagenumwobene Region am Fuße des Himalaya, die Weinberge liegen auf über 2000 Metern Höhe, auf Sandbänken mit Kalkstein am Mekong-Fluss. Das hier ist Unesco-Weltkulturerbe, die 4 dazugehörigen Dörfer erstrecken sich auf Höhen von 2000 bis 2600 Metern. Alles überragt vom heiligen Melli-Schneeberg in 6800 Metern Höhe. Extreme Sonnenintensität und die Hochlage ergeben dickschalige, kleine Beeren, tiefe Farbe und große Frische. Und ich selbst, ganz persönlich, kann diese Auswahl des Terroirs und der Region nur bejahen, denn ich war damals schon in Yunnan und erkannte hier ebenfalls die perfekte Cool Climate Hochgebirgsweinregion. Leider hatte ich damals nicht die Mittel und Beziehungen von Moet-Hennessy, wer weiß was da sonst noch so entstanden wäre… Französisch beeinflusst sollte es Cabernet Sauvignon werden (Mencia würde fast besser passen denke ich), und das Ao Yun Team um den französischen Winemaker und Weingutsdirektor Maxence Dulou lässt quasi »from scratch« und aus dem Nichts Jahr für Jahr (erster Wein war 2013) bessere Weine entstehen. Die Reben wurden aus den allerbesten 1er Cru-Klonen des Bordelais gezogen. Nur 18-20 Hl/Ha Ertrag. Biologische Weinbergsbearbeitung vom ersten Tag an, Vergärung spontan in lokalen Tongefäßen und neuem Holz. Ausbau zu 100% in bestem französischem Holz, davon 30% Neuholz. Barriques und Tonneaux. Tiefe, leuchtende, violette Farbe, mit extrahierten Tränen am Glasrand. Beim ersten Reinriechen kommen mir geballte Fruchtaromen entgegen. Saftige, reife Brombeeren, Schwarzkirschen und Pflaumen, der Wein hat ordentlich Druck und Power. Aber bereits beim zweiten Riechen bin ich baff. In diesem Wein steckt unendlich viel Komplexität und auch Feinheit, die Aromen sind glasklar. Ein Elixier der Finesse. Minze und getrocknete Kräuter, Salbei und Thymian, Veilchen und Potpourri geht in warme Würze über. Muskatnuss, Kubebenpfeffer, auch etwas Teer, Assam Tee und Lakritz. Nach kurzer Zeit im Glas überwältigt mich die intensive und dennoch wohl dosierte Mineralik beinahe. Eine Kombination aus Schiefer, Rauch und frisch gedrehter, warmer Erde – das ist schon klasse! Die Nase ist faszinierend und erinnert mich an den Château Margaux 2000 in seinem Jugendstadium! Wow, hier haben wir Charme und Eleganz mit Power verstrickt. Nach dem ersten Schluck klirrt der Wein im Mund vor Frische. Hier rollt eine Welle Waldbeerfrucht über die Zunge. Hauptsächlich dunkle Beerenfrucht, Heidelbeeren, Brombeeren mit etwas Schwarzkirsch, aber auch Cranberry und etwas Granatapfel. Die Tannine sind ultrafein, von fein polierter, staubig-pudriger Konsistenz und hinterlassen nach dem Schlucken dunkle, 100-prozentige Schokolade, etwas Zedernholz und warme Würze. Die Balance ist hier phänomenal und auch wenn der Wein an der Nase doch sehr an einen Top Bordelaiser erinnert, ist er im Mund absolut unique und einzigartig – er klingt Minutenlang nach. Trotz aller Power und intensivem Druck ist das, ganz ohne Zweifel, der feinste Topwein aus China, der die Aufmerksamkeit jedes ernsthaften Weinliebhabers verdient. Bravo!